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Genitalverstümmelung

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Finger weg von meinem Pimmel[1][2]

Die Genitalverstümmelung (euphemistisch Beschneidung genannt) ist in unserem Kulturkreis bekannt als Beschneidung von Knaben bei Muslimen und Juden sowie als Beschneidung von Mädchen vorzugsweise in Teilen Afrikas.

Zitat: «Es gibt keine Frauenbeschneidung ohne Männerbeschneidung.» - Bülent Erdogan[3]

Besonders die Beschneidung der weiblichen Genitalien erregt große Aufmerksamkeit durch die "Betroffenheits­industrie". Neu ist für viele die Tatsache, dass auch die Beschneidung der männlichen Genitalien weltweit zu zahlreichen Todesfällen führt oder lebenslanges Leid nach sich zieht. Während die männliche Beschneidung in der so genannten "Dritten Welt" vornehmlich eine rituelle Tradition darstellt, hat sich die Routine­beschneidung von Jungen gleich nach der Geburt in den USA inzwischen zu einer einträglichen Praxis entwickelt, von der unmittelbar und mittelbar eine ganze Anzahl von Arbeits­plätzen und Karrieren abhängen. Was den Medizinmann auf den Salomon-Inseln mit dem hypermodern ausgestatten Arzt in den USA verbindet: Beide vergehen sich ohne medizinische Indikation an Kindern. Es fehlt die medizinische Notwendigkeit, die nach deutschem Recht einen operativen Eingriff überhaupt erst straffrei stellt.[4]

Der Kotau[wp] des Bundestages für die Genitalverstümmelung von Jungen
Quelle: Jacques Tilly / giordano-bruno-stiftung.de
Beschneidungsargumentation, erklärt von ErzaehlmirNix

Kurze Einführung

  • Überall, wo es weibliche Genitalverstümmelungen gibt, gibt es die männliche Form auch; umgekehrt gilt das nicht.[5]
  • Gründe u. a.: Um für Frauen attraktiver zu sein, um sie besser befriedigen zu können.
  • Männliche Genitalverstümmelung ist entgegen anderslautender Auffassungen sehr wohl mit der weiblichen vergleichbar.
  • Auswirkungen auf Psyche (Trauma), Sexualität und Gesundheit (Teil-/Komplettverlust des Penis, Tod)
  • Extreme Formen sind wenig bekannt: Häuten des Penis, Zerquetschen eines Hodens
  • Männliche Beschneidung als Waffe im "Krieg der Spermien" [6]
  • Kleines Hautstück? - Wird die Vorhaut vollständig entfernt, so wird der größte Teil(!) der Penishaut entfernt.

Aktuelle Situation

Schutz vor Genitalverstümmelung: Jungen ausgeklammert!

AKTUELLES: Jungendiskriminierender Gesetzentwurf 2. Quartal 2009

Er enthält bewusst Jungen den Schutz vor Genitalverstümmelung vor und fördert somit Gewalt gegen Jungen. Jungen werden damit weniger Menschenrechte zugestanden als Mädchen. Körper­verletzungen an Mädchen erhalten damit einen eigenen Straftat­bestand, Körper­verletzungen an Jungen, bei denen dieselbe Argumentation greifen würde, werden ignoriert.

MANNdat-Schreiben an Bundestagsabgeordnete vom 07.06.2009 und Offener Brief gegen Beschneidungsgesetz vom 05.03.2010

In Art. 24 Abs. 3 der UN-Kinderrechts­konvention, die Deutschland mit unterzeichnet hat, steht klar und deutlich:

"Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen."[7][8]

Formen der Genitalverstümmelung

Die ersten drei Arten werden detailiert hier aufgeführt: Genitalverstümmelung (Tabelle)

  • Zirkumzision Die Vorhaut wird ringförmig entfernt (teilweise oder vollständig).[9]
  • Einschnitt (Inzision) Die Vorhaut wird ein- oder mehrmals eingeschnitten.
  • Subinzision (Aborigines) Der Penis wird unterseitig so tief eingeschnitten, so dass die Harnröhre längs auf­geschnitten ist (teilweise oder voll­ständig). Es können sich aus­gedehnte Infektionen bilden, die nicht selten tödlich enden.
  • Einnähen von Metallglöckchen in die Haut (Indien) Dadurch sollen die Männer Frauen besser befriedigen können.
  • Einnähen von Bambus- oder Metallkugeln (Ampallangs) in Eichel oder Penisschaft (Indonesien, Korea, Ureinwohner von den Philippinen) Dadurch soll die Klitoris der zukünftigen Partnerin besser stimuliert werden.
  • Häuten des Penis (Dowayos in Kamerun)[10]
  • Zerquetschen eines Hoden (manche afrikanische und mikronesische Völker)[11]

Zahlen

  • In der Türkei werden pro Jahr ca. 1,5 Mio. Jungen unfreiwillig beschnitten.[12]
  • In den USA werden ca. 57 % aller männlichen Neugeborenen kurz nach der Geburt routinemäßig beschnitten (fallende Tendenz).[13]
  • Steven Svoboda, ein an der US-Universität Harvard ausgebildeter Anwalt für Menschenrechte, schätzt, dass Jungen und Männer sechsmal so häufig Opfer von Genitalverstümmelung sind wie Mädchen und Frauen.[13]
  • Die Zirkumzision stellt den weltweit am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriff dar, gegenwärtig sind schätzungsweise 25 Prozent der männlichen Weltbevölkerung beschnitten.[9]

Gängige Begründungen für eine Beschneidung

Ästhetisch

Manche können ja der Auffassung sein, dass ein beschnittener Penis attraktiver ist. Diese Meinung wird aber bei Weitem nicht von allen geteilt. Wenn der Junge erwachsen ist, sollte er selbst darüber entscheiden dürfen, ob etwaige Vorteile die Nachteile überwiegen. Eltern dürfen auch nicht die Ohren ihres Kindes abschneiden, auch wenn sie das schön finden.

Hygienisch

Smegma[wp] ist eine weiße, wachsartige Substanz, die sich unter der Vorhaut bilden kann. Sie besteht aus natürlichen Sekreten und ab­geschuppten Hautzellen. Früher fürchtete man, dass Smegma krebs­erregend sein könnte, doch das wurde widerlegt. Gute Allgemein­hygiene und gesunder Menschenverstand sind der Schlüssel für das Verhüten von Infektionen und Krankheiten.[14] Ein beschnittener Penis lässt sich einfacher sauber halten. Ein unbeschnittener Penis lässt sich allerdings auch sauber halten: mit Wasser und Seife. Auch hier käme niemand auf die Idee, die Ohren eines Kindes abzuschneiden, nur weil sie dreckig werden können.

Vorhautverengung

Teilweise werden Beschneidungen begründet, da es später zu Vorhaut­problemen kommen kann. Man wartet also nicht ab, ob der Eingriff überhaupt nötig ist, sondern schneidet vorbeugend. Auf die dumme Idee, eine präventive Brustabnahme bei Frauen durchzuführen, um einem eventuell auftretenden Brustkrebs[wp] vorzubeugen, kommt zu Recht niemand.

"Als medizinischer Grund für die operative Entfernung der Penisvorhaut wird in den allermeisten Fällen eine Phimose bzw. Vorhaut­verengung genannt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich hierbei um einen entwicklungs­physiologisch völlig normalen Zustand handelt, der, solange er symptomfrei bleibt, eigentlich gar nicht behandlungs­bedürftig ist. Erfahrungen aus den skandinavischen Ländern belegen eindeutig, dass sich die meisten kindlichen Vorhaut-"Probleme" (Verengung oder Verklebung) bis zur Pubertät von selbst erledigen." [15]

  1. "Eine Phimosenbehandlung mit Salbe ist in bis zu 95 % der Fälle erfolgreich."[16][17][18]
  2. "Kann ein Eingriff vermieden werden, wenn der mit ihm bezweckte Erfolg auch anderweitig, mit weniger intensiven Maßnahmen erreicht werden kann, dann liegt der intensivere Eingriff nicht im Kindeswohl."[19]

Auch wenn die Phimose nur operativ behoben werden kann, ist eine Entfernung der Vorhaut oft nicht nötig. Bei modernen Verfahren bleibt die Vorhaut erhalten.

Gebärmutterhalskrebs/Peniskrebs

Peniskrebs ist eine extrem seltene Form von Krebs. Sie tritt meist bei älteren Männern auf und die meisten Ärzte empfehlen Säuglings­beschneidung nicht als vorbeugende Maßnahme. Peniskrebs kann sowohl bei beschnittenen als auch bei intakten Männern auftreten: Im Rahmen der Maden-Studie (eine noch laufende Studie zu Peniskrebs am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle) wurde beobachtet, dass 37 % der Penis­krebs­fälle bei beschnittenen Männern auftreten.[14]

Es gibt "Behauptungen, dass sich das Vorkommen von Portio­karzinomen (Zervix­karzinomen) (Krebs des Gebär­mutter­mundes bzw. Gebär­mutter­halses) bei der Frau nach Geschlechtsverkehr mit unbeschnittenen Männern durch Übertragung von Smegma häufte. Dieser Zusammenhang wurden von Forschern als wissenschaftlich nicht plausibel verworfen."[20]

Die Theorie, dass Ehefrauen von Männern mit intakten Vorhäuten anfälliger für Gebär­mutter­hals­krebs sind, ist widerlegt worden. Die Theorie, dass das Vorhandensein einer Vorhaut ein höheres Risiko für Geschlechts­krankheiten mit sich bringt, wurde in einer neuen Studie widerlegt.[14]

Religiös/rituell

Weit verbreitet ist die Beschneidung bei Jungen und Männern darüber hinaus vor allem im Judentum, in islamischen Ländern (im Kindes­alter) und in Afrika. "So gilt die Beschneidung in afrikanischen Ländern in erster Linie als Initiations­ritus bei Jugendlichen in der Pubertät. Die Fähigkeit, den mit ihr einher­gehenden Schmerz aushalten zu können, gilt in vielen Volksstämmen als Voraussetzung zur Mannwerdung. Oft ist sie Voraussetzung dafür, überhaupt eine Frau zu bekommen, da die Frauen Wert darauf legen, einen Mann zu ehelichen, der diese Tortur über sich hat ergehen lassen." [13]

Deutschland: Die Religionsgemeinschaften nehmen für sich in Anspruch, dass hier eine Ausnahme bestehe, die durch das Grundrecht auf freie Religions­ausübung gedeckt sei.

Masturbations-Prävention

Nach puritanischer Auffassung dient die Vorhaut­amputation der Kontrolle der Sexualität durch die Vermeidung des oft als unerwünscht betrachteten sexuellen Lust­empfindens (speziell bei Jungen hinsichtlich der Masturbation).

AIDS-Prävention

Studien widerlegen die Wirksamkeit der Beschneidung als AIDS-Präventionsmaßnahme. Für die Ausbreitung von HIV/AIDS ist die Vorhaut­amputation bei Männern irrelevant, wenn man die Anzahl der infizierten Prostituierten in der Region herausrechnet. In muslimischen Gegenden weist AIDS eine niedrigere Prävalenz auf, was aber nicht im höheren Prozentanteil beschnittener Männern, sondern in der geringeren Zahl an Prostituierten pro Einwohner begründet liegt. Aus der Einzelfall­perspektive betrachtet, kann bei einem Eros-Akt die Übertragungsrate eines Mannes mit Beschneidung zwar um 50-60 % sinken, das Problem besteht aber darin, dass derselbe in Gegenden mit einer hohen AIDS-Infektionsrate vielfältigen sexuellen Kontakt mit Infizierten hat. Eine Beschneidung würde lediglich die Infektion mit dem HI-Virus hinauszögern, ist jedoch als Maßnahme der HIV-Infektions­prävention ineffektiv.[21]

Unter 500 Männern waren die beschnittenen zu 23,4 Prozent bis zu ihrem 32. Lebensjahr schon einmal von einer sexuell übertragbaren Krankheit betroffen, unbeschnittene zu 23,5 Prozent.[22]

Der gegenteilige Effekt tritt ein, wenn sich beschnittene Männer in der irrigen Annahme, vor der Ansteckung mit HIV sicher zu sein, bei der Ausübung des Koitus auf den Gebrauch von Verhütungsmitteln gänzlich verzichten.[23]

Funktionen der Vorhaut

  • Schutzfunktion: Im Kleinkindalter schützt die verklebte Vorhaut die Eichel vor den Ausscheidungen in der Windel. Während des ganzen Lebens hält die Vorhaut die Eichel zart und feucht und schützt sie vor Trauma, Verletzungen, Umwelteinflüssen, Reibung und Austrocknung.
  • Sexuelle Funktionen
    • Die Vorhaut enthält zahlreiche empfindlichen Nerven­endungen. Gemeinsam mit der sensiblen Oberfläche der Eichel bildet die innere Vorhaut, die bei einer Erektion zurückgezogen und nach außen gewendet ist, eine ausgedehnte und hochsensible erogene Zone, die für eine normale, intensive Gefühlswahrnehmung bei Geschlechtsverkehr und Masturbation wichtig ist.
    • Die Vorhaut verhindert durch einen speziellen Gleiteffekt unnötige Reibung beim Geschlechtsverkehr und steigert das Lustempfinden bei Mann und Frau.
    • Die Vorhaut bietet Möglichkeiten bei der Masturbation und der Vorbereitung auf den Eros-Akt, weil sie die manuelle Stimulation des Penis erleichtert, da die Innenseite der Vorhaut und die Eicheloberfläche sich gegenseitig reiben. Eine Frau, welche ihren Sexualpartner mit der Hand befriedigt, tut dies hauptsächlich durch das Bewegen der Penisvorhaut, selbst wenn sie die Hand unterhalb des Penisschafts positioniert, erfolgt die Stimulation zum großen Teil durch das Gleiten der Vorhaut über die Eichel.
  • Immunsystem: Spezialisierte Zellen in der Vorhaut bilden Substanzen, die Krankheits­erreger bekämpfen und abtöten können. Der einschlägige Forschungsstand ist derzeit noch gering.
  • Schutz für die Eichel. Eine ungeschützte Eichel reibt bei der sportlichen Betätigung ständig gegen die Unterwäsche, was ein unangenehmes Gefühl verursacht. Außerdem trocknet es die Eichel aus.
  • Erweiterte Oberfläche der Schafthaut. Es ist ohne Vorhaut weniger Schafthaut vorhanden, welche sich über den erigierten Penis ausdehnen kann, was zu Schmerzen führen kann. Normalerweise gleitet die Vorhaut während einer Erektion zurück und wird zu einem Teil der Schafthaut. Die stärkere Dehnung der Schafthaut beim beschnittenen Penis führt zum höheren Haaransatz, denn die behaarte Haut am unteren Teil des Penisschafts wird aufgrund der stärkeren Dehnung der verbleibenden Haut hochgezogen, was sich bei der Ausübung des Koitus ohne den Einsatz von einschlägigen Verhütungsmitteln bemerkbar macht.
  • Das Fehlen der Vorhaut erzeugt eine Lücke zwischen der Eichel und dem Penisschaft, denn der Raum um die Beschneidungsnarbe herum ist bei einem Mann mit intaktem Genitale durch die Vorhaut gefüllt.
  • Zirkumzision verursacht eine veränderte, pilzartige Form, welche dem Patienten im bevorstehenden Erwachsenenalter möglicherweise missfällt. Beim beschnittenen Mann ist der Penis an der Stelle der Beschneidungsnarbe ein wenig dünner, wodurch die etwas pilzartige Form entsteht.

Nur ein kleines Stückchen Haut?

Eine Eigenschaft der Vorhaut ist, dass die Haut doppellagig ist und sich sehr stark zusammenziehen kann, wenn der Penis sich im erschlafften Zustand befindet. Im erschlafften Zustand wird die Vorhaut weggeschnitten. Übertragen auf einen erwachsenen Mann wird ein Großteil der Haut des gesamten erigierten Penis entfernt! Der Penis ist die wichtigste erogene Zone bei einem Mann und bei einer Beschneidung wird dort eine erhebliche Hautfläche (vergleichbar mit der Hand­innenfläche ohne Finger!) weggeschnitten. Wie man die Fläche bestimmen kann, wird hier erklärt. Diese Hautfläche ist mit einer ungewöhnlich hohen Dichte an Nervenzellen übersät.

Folgen

Beeinträchtigung der Sexualität

Bei einer Zirkumzision wird die Vorhaut entfernt, welche normalerweise die sensible Eichel, die wichtigste erogene Zone des Mannes, umschließt und schützt. Ansonsten feucht und höchst sensibel, trocknet diese aus und überzieht sich mit einer neuen, dünnen Haut. Sie wird unempfindlicher. Neben der Desensibilisierung der Eichel fällt das sensible Vorhautgewebe selbst komplett als Lustspender weg. Wird die Vorhaut bis hinter die Eichel entfernt, entspricht das etwa einem Drittel der gesamten Haut am Penis. Das Frenulum (Vorhautbändchen) ist besonders dicht mit Nervenenden besetzt und wird bei den üblichen Formen der Beschneidung meist beschädigt oder komplett entfernt. In Summe wird die Selbstbefriedigung somit als weniger lustvoll erlebt. Der Schmerz bei der Prozedur wurde und wird teilweise als Strafe für eine "sündhafte" Selbstbefriedigung verwendet: John Harvey Kellogg: "Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird." In manchen Fällen führt die Kombination dieser Effekte zu teilweise eklatanten sexuellen Einschränkungen.[4]

Für manche beschnittene Männer ist die Masturbation fast nur noch mit Hilfsmitteln (wie z. B. Gleitgel, Babyöl oder auch Speichel) möglich. Beim Geschlechtsverkehr fehlt das natürliche Gleiten des Penis in seiner Schafthaut, was das Eindringen erschweren kann. Durch das direkte Reiben an der Scheidenwand kann es Probleme bei einer Trockenheit der Scheide geben.

Posttraumatische Belastungsstörung

In einer in Boyle et al. (2002) beschriebene Studie wurden 1577 philippinische Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren vor und nach einer Beschneidung (die entweder mit oder ohne Lokalanästhetikum durchgeführt wurde) beobachtet. Vor dem Eingriff wurde sichergestellt, dass nur Jungen in die Studie aufgenommen wurden, die keine PTBS (nach DSM-IV) aufwiesen. Nach dem Eingriff konnte bei 50 % der mit Lokalanästhetikum und 69 % der rituell (ohne Lokalanästhetikum) beschnittenen Jungen eine PTBS nach DSM-IV Kriterien diagnostiziert werden.

Gesundheitliche Schädigungen

Bei der Subinzision: Die Unterseite des Penis wird gespalten. Folge: Der Samen fließt außerhalb des weiblichen Körpers herab, die Chancen einer Schwangerschaft sinken.[11]

Bevormundung

"Das wichtigste Argument gegen Beschneidung von Minderjährigen darf hier nicht außer Acht gelassen werden: Es ist ganz klar, dass dabei eine wichtige Entscheidung, die Auswirkungen unter anderem auf die Sexualität hat, von anderen getroffen wird, als dem Betroffenen selbst. In allen vergleichbaren Fällen (z. B. weibliche Beschneidung) herrscht weitgehender Konsens darüber, dass solche Praktiken unterbunden und ggf. bestraft werden sollten. Nur bezüglich der männlichen Beschneidung herrscht meist eine erstaunliche Toleranz und Akzeptanz. Erklären lässt sich diese ambivalente Sichtweise der Beschneidung abhängig vom Geschlecht wohl nur damit, dass Wissen über die Funktionen der Vorhaut wenig verbreitet ist, so dass viele (insbesondere Personen, die gar kein solches Körperteil haben, nämlich Frauen) glauben, eine Beschneidung bedeute keinen Verlust."[5]

Schmerz

Für Neugeborene ist der Eingriff alles andere als schmerzfrei. Dazu sagte Boris Zernikow, Leiter des Deutschen Kinder­schmerz­zentrums in Datteln[24], jüngst in einem SPIEGEL-Interview: "Das schmerz­unter­drückende System ist erst einige Monate nach der Geburt funktionstüchtig. Neugeborene empfinden mehr Schmerzen als ein Erwachsener."[25]

Südafrika

53 Jungen starben im Jahre 2009 bis zum 15. August 2009 an den Folgen von unsachgemäßen Beschneidungen in Südafrika, während dreizehn Jungen Penis-Amputationen erlitten.[26] Austrocknung, Unterkühlung, Blutvergiftung, starke Blutungen und die Tatsache, dass die meisten Jungen Hilfe erst dann suchen, wenn es schon zu spät ist, sind die häufigsten Todesursachen. Die Beschneidungen werden ohne den Einsatz von Betäubungsmitteln mit traditionellen Beschneidungs­werkzeugen durchgeführt. Sehr viele Jugendliche mehr werden mit entzündeten oder verstümmelten Genitalien in die Krankenhäuser eingeliefert. Wundbrand hat bei manchen den Verlust der Eichel zur Folge. Dimaza: "Offenbar wurden einige sehr spät ins Krankenhaus gebracht, weshalb die Ärzte nichts mehr für sie tun können. Ihre Männlichkeit fällt einfach ab." [26][27][28]

In der Wintersaison 2008 (Die Beschneidungen finden zweimal im Jahr statt) starben 24 Jungen an den Folgen. 535 Jungen wurden in die Krankenhäuser eingeliefert - ein Junge mit einem fast abgetrennten, faulenden Penis.[29]

In Südafrika bestimmt der "Children's Act" von 2005:

12. Social, cultural and religious practices
(3) Genital mutilation or the circumcision of female children is prohibited.
(8) Circumcision of male children under the age of 16 is prohibited, except when-
(a) circumcision is performed for religious purposes in accordance with the practices of the religion concerned and in the manner prescribed; or
(b) circumcision is performed for medical reasons on the recommendation of a medical practitioner.
(c) in the manner prescribed.
(9) Circumcision of male children older than 16 may only be performed-
(a) if the child has given consent to the circumcision in the prescribed manner;
(b) after proper counselling of the child; and
(c) in the manner prescribed.[30]

Der "Children's Act" bestimmt: keine Beschneidung an Jungen [gegen ihren erklärten Willen, siehe oben, d.Red.] unter 16 Jahren und nur von ausgebildeten und zugelassenen Kräften.[31]

Extreme Formen

  • Bei den Dowayos in Kamerun ist die Beschneidung ein sich lang hinziehender Vorgang. Die Operation ist darauf angelegt, Furcht und Schrecken zu erregen. Die Jungen werden an einer rituellen Wegkreuzung vollständig entkleidet und zu einem nahegelegenen Wäldchen am Fluss geführt, wo die Beschneidung stattfindet. Unterwegs werden sie von den Beschneidern bedrängt, die wie jagende Leoparden knurren und sie mit dem Messer bedrohen. Die Operation ist sehr schmerzhaft, da der Penis fast in voller Länge abgeschält wird. Unter Umständen sind es mehrere verschiedene Beschneider, die jeder ein Stück von der Vorhaut abschneiden. Der Junge darf nicht schreien, aber die alten Männer, die mir von dem festlichen Ereignis erzählten, gaben zu, dass viele es doch täten. Das sei auch nicht schlimm, solange die Frauen glaubten, sie hätten sich tapfer gehalten. Beim Badeplatz kann man die Ergebnisse derartiger Eingriffe studieren. Wenn der Operierte noch sehr jung ist, nimmt das Glied manchmal eine fast kugel­förmige Form an, was mitverantwortlich für die sehr niedrige Geburtenrate bei den Dowayos sein dürfte. Da alle mit demselben Messer beschnitten werden und die Infektions­gefahr entsprechend hoch ist, ist die Todesrate beträchtlich. Von Jungen, die infolge der Operation starben, hieß es, Leoparden hätten sie gefressen. Aus der Korrespondenz französischer Kolonial­offiziere geht hervor, wie bekümmert diese über die große Zahl Jugendlicher waren, die angeblich der Leopard gefressen hatte - obwohl doch Leoparden in der Gegend praktisch ausgestorben waren.[10]
  • Sehr selten, aber belegt ist das Entfernen der gesamten das Glied bedeckenden Haut, mitunter bis zum Bauchnabel, in einigen Dörfern des Jemen.[32]
  • Bei manchen afrikanischen und mikronesischen Völkern zerquetschen die älteren Männer jüngeren Geschlechtsgenossen einen Hoden.[11]
  • Die Hijra[wp], eine Sekte in Indien, führt vor der formellen Aufnahme von Anwärtern in ihre Gemeinschaft bei denselben eine komplette Penektomie und Kastration durch. Aus dem einschlägigen Eintrag in der Wikipedia geht nicht hervor, ob dies freiwillig geschieht oder nicht, weil der fragliche Passus lautet: "Obwohl sehr häufig angenommen wird, dass Hijra sich meistens einer rituellen Kastration und Penektomie unterziehen oder dieses wenigstens anstreben.