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Sergei Alexandrowitsch Karaganow

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Sergei Alexandrowitsch Karaganow
Sergei Karaganow (2017)
Geboren 12. September 1952

Sergei Alexandrowitsch Karaganow (russisch: Сергей Александрович Караганов, * 1952[1] in Moskau) ist ein russischer Politik­wissenschaftler und Dekan der Fakultät für Weltwirtschaft und internationale Angelegenheiten an der Wirtschafts­hochschule Moskau. Karaganow war Vorsitzender des Rates für Außen- und Verteidigungs­politik, ein enger Mitarbeiter von Jewgeni Primakow[wp] und auch Berater der Präsidenten Boris Jelzin[wp] und Wladimir Putin.[2] Er soll sowohl Putin wie dem Außenminister Sergei Lawrow nahestehen.[3]

Er ist seit 1998 Mitglied der Trilateralen Kommission[wp] und seit 1983 stellvertretender Direktor des Europa-Institutes an der Russischen Akademie der Wissenschaften[wp].[2]

Groß- und Staatsmedien in den Ländern des Transatlantikblocks behaupten, einen signifikanten Einfluss Karaganows auf die Konzeption der Außen- und Sicherheits­politik Putins und konstruieren daraus wiederum einen Zusammenhang mit dem russischen Militäreinsatz in der Ukraine.[4]

Im Juni 2023 forderte er den Einsatz von taktischen Nuklearwaffen gegen bestimmte Klientelstaaten der USA, um der Weltöffentlichkeit die Gefährlichkeit von nuklearen Massen­vernichtungs­mitteln für die Existenz der Menschheit und des Planeten Erde anhand eines lokal begrenzten Beispielfalls in drastischer Form zu demonstrieren.[5][anm 1]

Leben und Ausbildung

Den biographischen Angaben auf dem englisch­sprachigen Teil seiner Webseite zufolge[6] wurde Karaganow am 12. September 1952 geboren und studierte an der Staatlichen Universität Moskau[wp], wo er 1974 im Fachbereich Ökonomie graduierte. Von 1974 bis 1978 war er Promotions­kandidat am Institut für US- und Kanadastudien der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften[wp], 1976 bis 1977 dazu Trainee an der diplomatischen Vertretung der UdSSR bei den Vereinten Nationen. 1978 bestand er das dem Doktorgrad vergleichbare Kandidaten­examen[wp] und wurde mit der Dissertation "The Role and Place of Transnational Corporations in the U.S. Foreign Policy" (Rolle und Stellenwert Transnationaler Firmen in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten) promoviert. Von 1978 bis 1988 arbeitete er als Wissenschaftler am Institut für US-und Kanada-Studien und stieg zum Sektionsleiter auf. 1989 verteidigte er eine mit der Habilitation vergleichbare Doktorats-Dissertation über "The Role and Place of Western Europe in U.S. Strategy Towards the USSR (1945-1988)" (Rolle und Stellenwert Westeuropas in der US-Strategie gegenüber der UdSSR). Ab 1988 arbeitete er im Europa-Institut der Sowjetischen (heute: Russischen) Akademie der Wissenschaften, 2010 wurde er dessen Vizedirektor. Seit 2006 ist er Dekan der Fakultät für Weltwirtschaft und Weltpolitik an der Wirtschaftshochschule Moskau[wp]. Er hat die prominent mit etwa 70 Personen aus russischen Führungs­eliten besetzte Denkfabrik Rat für Außen- und Verteidigungspolitik ("Council for Foreign and Defence Policy" (CFDP)) geleitet, bis ihm dort Fjodor Lukjanow nachfolgte.[7][8]

Karaganow ist Mitglied zahlreicher Gremien, darunter der wissenschaftliche Beirat des Sicherheitsrates der Russischen Föderation[wp], der wissenschaftliche Beirat des russischen Außenministeriums[wp] und der Menschenrechtsrat beim russischen Präsidenten[wp]. Er ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift Russia in Global Affairs und Mitgründer des Waldai-Klubs.

Sein Vater Alexander Karaganow war langjährig Sekretär des Verbandes der Filmschaffenden der UdSSR, seine Mutter Sofia war die erste Ehefrau des Dichters Jewgeni Dolmatowski[wp].[9]

Persönliches

Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Politische Positionen

Karaganow-Doktrin

Karaganow entwickelte nach dem Zusammenbruch der UdSSR die so genannte Karaganow-Doktrin, nach der Russland sich als Verteidiger der Menschenrechte ethnischer Russen im nahegelegenen Ausland, wie etwa der baltischen Staaten, betätigen sollte, um in diesen Regionen politischen Einfluss zu gewinnen.[10]

2005 vertrat er in einem Aufsatz, dass die Staatsbildung an zahlreichen Orten der Welt - etwa in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion oder der Dritten Welt - gescheitert sei und darum mächtige Staaten abgestimmt "neo-imperial" Ordnungs­funktionen übernehmen müssten. Viele Staaten, die sich herausgebildet hätten, seien oft nicht oder nur unzureichend funktionsfähig, ermangelten auch der ökonomischen Entwicklungs­fähigkeit und würden deswegen eine Gefahr für die internationale Stabilität darstellen. Terroristische Vereinigungen und kriminelle Organisationen könnten sich in ihnen festsetzen und durch Spill-Over-Effekte[wp] ganze Regionen destabilisieren. Dort wo die Staatsbildung lange schon gelungen sei, wäre eine Hinwendung zu supranationalen[wp] Organisationen wie der EU feststellbar, die ausgehend vom Konzept begrenzter Souveränität des Einzelstaates Ressourcen für gemeinsame Ziele bündele. Auch dies gefährde die westfälische Ordnung[wp] seit dem Dreißigjährigen Kriege[wp], die von der Vorstellung staatlich definierter Souveränität geprägt gewesen sei. Karaganow plädierte darum für eine "neo-imperiale Allianz", in der ein "Konzert" wahrhaft souveräner Mächte - definiert dadurch, dass sie nicht durch Bündnisse ihrer Nachbar­staaten wirksam eingeschränkt werden könnten - entscheide. Die Vorstellung der USA, durch Demokratisierung funktions­fähigere und damit doch souveräne Staaten zu schaffen, sei nicht erfolgreich, westliche Hilfe würde eher zu Korrumpierung von Regierungen und Allgemein­bevölkerungen führen als zu echter Entwicklung. Diese Staaten - er verwies auf Afrika und den Nahen Osten - seien semi-feudale Rohstoff­exporteure, geprägt von parasitischer Mentalität und Stagnation. Andere - wie die Tigerstaaten[wp] - seien erfolgreicher, das verlange aber große eigene Anstrengungen. Die UN könne die Entwicklungs­defizite nicht kompensieren, Terrorismus und die mögliche Verbreitung von Massen­vernichtungs­waffen seien zu große Gefahren, um ignoriert zu werden. Die Lösung sei darum eine multipolare Welt mächtiger Staaten. Das Problem dabei sei das Streben der USA, sich als einziger Pol durchzusetzen, was faktisch auf den Auf- und Ausbau eines US-amerikanischen Weltreiches hinauslaufe. Die USA müssten jedoch einsehen, dass ihre Kraft - selbst wenn ihre militärische Macht noch unerreicht sei - dazu nicht mehr ausreiche, ihre Wirtschaft sei nicht mehr so umfassend dominant und vital wie in den 1940er Jahren. Multipolarität[wp] alleine sei allerdings eher konflikt­verursachend, es müsste zusätzlich noch ein Konsens der Mächte erreicht werden, ein "kollektiver Neo-Imperialismus", der Interventionen wie im Falle Transnistriens durch Russland oder Jugoslawiens durch die USA und deren europäische Klientelstaaten regele, wofür die UN-Charta überarbeitet werden solle, um wieder die Möglichkeit von Mandats­gebieten[wp] zu schaffen, damit die entwickelten Staaten direkt in unter­entwickelten Staaten eingreifen dürften, um selbigen bei der Modernisierung zu helfen.[11]

Eurasien als Großraum

Als Vertreter des Eurasismus[wp] plädiert Karaganow für eine enge Zusammenarbeit Russlands mit China und eine Zusammenführung der Eurasischen Wirtschafts­union[wp] mit dem Projekt der neuen Seidenstraße[wp].[12]

Russland habe die Chance, sich nicht mehr als Staat mit einigen asiatischen Besitzungen zu verstehen, sondern zu einem eurasischen Zentrum zu werden, das als Exporteur von Rohstoffen, Produzent energie­intensiver und einiger hoch­technischer Produkte und als Hauptanbieter von Sicherheit für den Kontinent fungieren könne.[13] Das russische Militär sei kleiner als das frühere sowjetische, aber - wie in Syrien bewiesen - "ziemlich effizient" ("quite efficient").[14] Wahrscheinlich werde ein Wirtschaftsraum, der die Eurasische Wirtschaftsunion[wp], die Staaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, die ASEAN[wp]-Staaten, die Türkei, Israel, den Iran und Ägypten umfasse und Indien, Südkorea und Japan einbeziehe. Die EU würde sich möglicherweise auch noch anschließen. Dieser Raum würde auf Hegemonial­mächte wie die USA verzichten und dem von der UN mal vertretenen Prinzip der Gleichberechtigung entsprechen, das von den USA zugunsten globaler Hegemonie verlassen worden sei. Die Konzeption eines Groß-Eurasien könne die von den USA verursachten Konflikte und die - nach Karaganow - "natürliche" russische Gegenbewegung überwinden, das sei aber an den USA zu entscheiden.[13] Das Schwergewicht wirtschaftlicher Aktivität verschiebe sich nach Asien und damit nach Eurasien, die die politische Integration Eurasiens noch behindernde Rivalität Indiens und Chinas sollte durch eine unter Aufsicht der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit durchführbaren und auf gütlichen Interessen­ausgleich abzielende Kommunikation aufgehoben werden. Ein Groß-Eurasien werde einem Groß-Amerika gegenüberstehen, Russlands relative ökonomische Schwäche werde durch die wirtschaftliche Stärke Eurasiens ausgeglichen.[15]

Sowjetunion und Autoritarismus

Eine Wiedererrichtung der Sowjetunion lehnt Karaganow ab, weil dieselbe ein "schreckliches Trauma" im kollektiven Bewusstsein der Völker ihrer Nachfolgestaaten hinterlassen habe. Die schulisch und beruflich am besten ausgebildeten Menschen seien in ihr getötet worden, die Herrschenden hätten für alle gedacht und entschieden, dies wirke nach. Russland müsse stärker werden um demokratischer werden zu können, jedoch sei der Autoritarismus[wp] Russland nicht auferlegt, sondern Ausdruck seiner Bedürfnisse und des Willens seiner Bevölkerung. Er sei immer notwendig gewesen, um das riesige Reich mit seinen zahlreichen Grenzen gegen landräuberische Angreifer zu verteidigen. Nicht-autoritäre Machthaber seien gescheitert und entmachtet worden, es sei ein Wunder, dass das Land das Jahr 1991 langfristig überlebt habe. Wladimir Putin sei ein autoritärer Führer geworden, weil das Land es verlangt habe. Demokratie sei nur ein möglicher - und langfristig instabiler - Weg, komplexe Gesellschaften zu regieren, er gehe davon aus, dass die EU autoritärer und Russland demokratischer werde. Hybride Mischformen würden sich durchsetzen, allein die USA seien als demokratisches Land entstanden und würden diesem Erbe wohl verhaftet bleiben. Russlands Vorstellung von Demokratie sei nicht universalistisch, sondern dass jedes Land sein System selbst bestimmen solle. Kapitalistische Entwicklung sei nicht an die Demokratie gebunden, sondern an Gesetzesherrschaft, wie die legalen Traditionen Chinas und seine momentane starke Entwicklung zeigten. Autoritäre Systeme seien effektiver und könnten langfristiger planen, ihre Gefahr sei aber die Stagnation.[16] Russland bewege sich auf einen nicht-westlichen Typ der Demokratie zu, es werde in Zukunft demokratischer sein als viele heutige westliche Länder. Die Mentalität des russischen Volkes jedoch sei im Kern autoritär, das könne bedauert, aber nicht geändert werden und sei ein Erbe der Mongolen­herrschaft.[17]

Nuklearwaffen, Russland als Großmacht und Gegnerschaft zur NATO und den USA

2010 warnte er vor dem Gedanken, dass nukleare Abrüstung zu mehr Sicherheit führe, weniger Nuklearwaffen würden nukleare Kriege eher leichter führbar machen, da man dann auf Abwehr­möglichkeiten hoffen könne. Der Gedanke nuklearer Vernichtung sei zwar unmoralisch, habe aber große Kriege verhindert. Atomwaffen seien das Feld, auf dem Russland nach wie vor als "Supermacht" agieren könne und in internationalen Verhandlungen ernst genommen werden müsse.[18]

2012 begrüßte er die konventionelle und atomare Aufrüstung Russlands, die zur Status­erhaltung notwendig sei. Zwar könne ein großräumiger Angriff auf die Atommacht Russland ausgeschlossen werden, keine der anderen Mächte sei diesbezüglich eine reelle Bedrohung. Aber für niedrigschwellige Konflikte, wie etwa der Westen sie verantworte, brauche man ein mobiles und hoch­professionelles konventionelles Militär, dessen Konzeption nicht mehr auf große Landkriege ausgerichtet wäre. Die entsprechenden Reformen verliefen sehr erfolgreich und Russlands nehme wieder eine Rolle als Schlüsselgarant des internationalen Friedens ein. Zwar wäre es sehr viel besser, auch technologisch, wirtschaftlich, kulturell und spirituell Stärke zu haben, das sei aber eine spätere Aufgabe. Zuerst müsse das Militär reformiert werden.[19]

2016 führte er nach Warnungen an die Adresse der NATO aus: "Wir wollen eine weitere Destabilisierung der Welt verhindern. Und wir wollen den Status einer Großmacht. Wir können darauf leider nicht verzichten - dieser Status ist in den vergangenen 300 Jahren zum Teil unseres Erbguts geworden. Wir möchten das Zentrum eines großen Eurasien sein, einer Zone von Frieden und Zusammenarbeit. Zu diesem Eurasien wird auch der Subkontinent Europa gehören." Die Verlegung von Waffen und Militäreinheiten ins Baltikum[wp] sei "idiotisch", im Falle eines Konfliktes würden sie vernichtet, denn Russland werde nie wieder auf eigenem Territorium kämpfen. Sollte die NATO eine Aggression gegen den Kernwaffenstaat Russland beginnen, werde sie bestraft werden.[20]

2017 hielt er fest, dass er mit weiteren nuklear bewaffneten Staaten rechne, darunter Staaten wie Ägypten oder Japan. Das würde die Sicherheit weltweit nicht erhöhen, die Gefahr von Konfrontationen steige. Man müsse zu Abreden und Verträgen kommen, die die Situation moderierten. Der Westen habe einen neuen Kalten Krieg[wp] begonnen, und zwar dadurch dass er "gierig" die Hand nach früheren Besitztümern der Sowjetunion ausgestreckt habe und versuche Chinas Aufstieg einzudämmen. Die jetzige Zeit sei gefährlicher als im vergangenen Kalten Krieg, China und Russland seien aber die neuen Garanten weltweiter Sicherheit, China auf ökonomischer Ebene, Russland auf militärischer. Staaten wie Indien oder Brasilien oder Ägypten würden diese Machtverschiebung begrüßen. Die USA hingegen destabilisierten die Lage. Mit Eurasien und den USA würden sich letztendlich zwei Hauptzentren der Macht herausbilden, während Europa kein solches Zentrum werden könne. Teile Europas würden sich vielmehr Eurasien anschließen, andere Teile den USA. Dadurch, dass es gelungen sei, westliche Pläne zu kontern, die Ukraine zu einem NATO-Mitglied zu machen, habe Russland einen Krieg verhindert.[21]

Russland habe durch Entwicklung neuer strategischer Waffen wie hypersonischen Trägersystemen für Nuklear­waffen[wp] gegenüber den USA eine Überlegenheit erreicht, ohne sich wie früher die Sowjetunion auf einen ökonomisch schädigenden Rüstungs­wettlauf überhaupt einzulassen. Damit ließen sich militärische Neu­entwicklungen im Vorfeld kontern und bereits bestehende Kapazitäten der USA wie beispielsweise ihre Flugzeugträger verlören an Wert, da sie nun deutlich verwundbarer seien.[22] Damit sei jeder Gedanke an hegemoniale Oberhoheit ("Supremacy") gegenstandslos.[23]

Im Juni 2023 sprach er sich für die "vergeltende" Nutzung russischer Nuklearwaffen als Abschreckungs­maßnahme in Reaktion auf die Unterstützung der Ukraine mit konventionellen Waffen durch NATO-Mitgliedstaaten aus.[24]

Covid-Pandemie und die Schwäche der Demokratie

Die Covid-Pandemie bewertete er als in ihren destabilisierenden Folgen kaum zu überschätzen, alle Länder würden mit Einbußen zu tun haben, in den reichen Ländern des Westens würde die Mittelschicht schrumpfen, in ärmeren Ländern würde Hunger einkehren und Regierungen fallen. Eine Zeit des Chaos stehe bevor, und autoritäre Systeme würden - was allerdings nicht für alle gelte - mit der Pandemie erkennbar effektiver zurechtkommen. Es werde deutlich, dass Demokratie nur für reiche Länder eine Option seine und auch Demokratien nicht unter externem Stress funktionieren würden. Alle Demokratien seien in der Geschichte immer verschwunden, sie hätten sich stets in autoritäre Systeme verwandelt. Demokratie sei das Ergebnis von Wohlstand, nicht umgekehrt, und ein Churchill unwahrscheinlicher als populistische Führer und Oligarchen. Es gelte, autoritären Willen mit persönlicher Freiheitsliebe zu verbinden. Historisch sei das russische Imperium - von beiden angetrieben - expandiert. Russischer Eliten­pessimismus sei darum fatal, junge Menschen seien weder an Langweile noch an Unfreiheit interessiert. Im Westen hingegen zerstöre Politische Korrektheit die Gedanken- und Meinungs­äußerungs­freiheit, die europäische Zivilisation erodiere. Wohlstand und durch die Existenz mehrerer Kernwaffenstaaten gesicherter Frieden hätten die tatsächlichen Probleme wie Territorium, Daseinsvorsorge, Lebenskampf und die wahren Werte wie Patriotismus, Glaube und Familie zugunsten von Schein-Ideologien wie LGBT, Black Lives Matter oder der Bewegung gegen den anthropogenen Klimawandel überlagert. Damit habe der oft erwartete Abstieg Europas tatsächlich eingesetzt. Zwar setzten westliche Konsolidierungs­bemühungen ein und zwar durch bewusst verschärfte Gegnerschaft mit Russland, diese seien aber erwartbar nur kurzfristig, weil die inneren Widersprüche der USA bereits zu tief seien. Russland müsse sich auch darum nach dem vitaleren Asien orientieren. Insgesamt sei die Situation aufgrund multipolarer Konstellation und inneren Konflikten der Gesellschaften sehr gefährlich, die Krise könne aber zu einer Reinigung und besser ausbalancierten Weltordnung führen.[25]

Übergang zu Groß-Eurasien, Ende US-amerikanischer Hegemonie und China

Karaganow sah 2021 die Weltpolitik an einer Wasserscheide, es entscheide sich, welche Staaten zu einem Groß-Eurasien und welche zu einem Groß-Amerika gehören werden. Ein neuer Kalter Krieg[wp] habe bereits begonnen, den Russland und China jedoch vereint gewinnen würden. Die größte Frage sei, wozu Deutschland gehören werde. Mit China verbinde Russland fast eine Allianz, jedoch habe Russland auch gute Beziehungen zu Indien, den arabischen Staaten, dem Iran und den EU-Staaten Österreich und Ungarn aufgebaut. Man dürfe Souveränität allerdings nicht an China verkaufen, wie Europa es gegenüber den USA getan habe, Russen hätten jedoch ein starkes Souveränitäts­gefühl und er hoffe auf die Klugheit der chinesischen politischen Klasse, niemals etwas gegen Russland zu unternehmen.[26] Er sorge sich nicht um eine chinesische Gefahr, darum störe Russland sich auch nicht an der chinesischen Militärbasis in Tadschikistan. Jeder, der Russland dominieren wollte sei gescheitert, von Karl XII.[wp] bis Adolf Hitler. Man könne Russland nicht beherrschen.[27]

Sollte China aufgrund seiner Macht die Zahl seiner benachbarten Vasallenstaaten irgendwann imperialistisch ausdehnen wollen, würde es auf den Widerstand größerer Staaten treffen, darunter die Türkei, Indien, der Iran, wie bisher schon die USA und auch Russland selbst. Solange es aber nur um die Erlangung eines China zustehenden Status gehe, liefen die Interessen Chinas und Russlands parallel und ein Bündnis sei Russlands größte außenpolitische Ressource. Die USA, die nach 1990 zum globalen Hegemon geworden seien, hätten sich durch drei Fehler geschwächt, darunter die Ablehnung Russlands als enger Alliierter des Westens und die sinnlosen Kriege in Afghanistan und dem Irak. Vor allem aber sei der Irrglaube zu nennen, die wirtschaftliche und von den USA stark unterstützte Entwicklung Chinas würde zu dessen Demokratisierung und Zugehörigkeit zum Westen führen. Als die USA diesen schweren Fehler begriffen hätten, sei es bereits zu spät gewesen. Binnen kurzer Zeit würde China nuklear genauso stark sein wie die USA und das wäre das Ende ihrer Hegemonie. Drei Hauptmächte würden am Ende übrigbleiben, wobei die USA eine starke Position behalten und ihre Machtreduktion in den nächsten fünfzehn Jahren unter Aufgabe ihres "liberalen Imperialismus" zugunsten eines Gleichgewichtes akzeptieren würden. Andere Staaten würden sich nach Groß-Eurasien orientieren. Der Westen habe sich darin geirrt zu glauben, dass wirtschaftliche Interessen allein handlungs­steuernd seien, und andere Antriebe wie Sicherheits­bedürfnis, Selbstbehauptung, Werte und Ideale unterschätzt. Russland wiederum habe nach dem Untergang der UdSSR auf eine russische Ideologie zur Selbst­vergewisserung verzichtet, dies gelte es zu korrigieren, da große Mächte nicht ohne Ideen existieren könnten. Für Russland müsse diese Idee die Entwicklung Sibiriens[wp] werden und die Erkenntnis, dass man historisch Teile seiner Kultur nicht Europa verdanke, sondern den Mongolen[wp] und damit Asien. Die europäische Epoche Russlands sei vorbei, die eurasische beginne. Man müsse Peter dem Großen für die Modernisierung danken, die eine große Kultur und die russische Armee geschaffen habe, aber nun wirklich zu Eurasien werden. Man brauche nichts mehr von Europa, auch keinen Rat.[28]

"Sammeln der Länder" und Putin-Doktrin: Zerstörung und Ersetzung der nach dem Kalten Krieg entstandenen Ordnung

Im Februar 2022, kurz vor dem Ukraine-Krieg, begrüßte Karaganow die Hilfe­stellung durch Truppen für die kasachische Regierung[wp], zeigte sich aber sehr besorgt über die Schwäche von Verbündeten wie Armenien, Belarus und Kasachstan. Er habe gedacht, dass deren innere Destabilisierung erst einige Jahre später eintreten würde, was seinerseits als ein Ausdruck des Unvermögens dieser Staaten, eine beständige Struktur­integrität aufzubauen, interpretiert wird. Die Frage würde sich stellen, wie man sie über Wasser halten könne, das sei eine "Frage eines neuen Sammelns der Länder" ("a question of new gathering of the lands"). Die Sowjetunion[wp] habe sich durch den Drang eine Supermacht sein zu wollen überfordert, großangelegte Unterstützungs­leistungen für die Dritte Welt, Osteuropa[wp] und Sowjet­republiken seien dafür ebenso wie ein vollkommen überdimensioniertes Militär verantwortlich gewesen. Die jetzige geostrategische Position der Russischen Föderation sei - insbesondere durch die Freundschaft mit China an der nunmehr sicheren Ostgrenze - insofern besser. Stabilisierung von Nachbar­staaten berge aber die Gefahr, die Entwicklung Sibiriens und des russischen Asiens zu vernachlässigen.[29]

In einem Aufsatz aus dem Februar 2022 kommentiert Karaganow "Russlands neue Außenpolitik", die mit einer Konfrontation Moskaus mit der NATO beginne. Das Ultimatum, das Russland den USA und der NATO Ende 2021 stellte[wp], markiert laut Karaganow den Beginn einer "konstruktiven Zerstörung". Das Ziel sei es, sowohl den geostrategischen Vorstoß des Westens zu stoppen, als auch den Grundstein für eine neue Art von Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zu legen. Diese Beziehungen sollten sich von dem unterscheiden, worauf man sich in den 1990er-Jahren verständigt hatte. Die Charta von Paris[wp] und die NATO-Russland-Grundakte[wp] seien aus russischer Schwäche geborene Fehler gewesen. Aber ab 1999 habe Russland begonnen, "sich von seinen Knien zu erheben und sich wieder aufzubauen, heimlich und im Verborgenen, während es freundlich und demütig erschien". Russlands neue Außenpolitik nennt Karaganow die Putin-Doktrin.[30]

Verhältnis zwischen Russland und der EU

Zitat: «Die europäische Reise Russlands ist vorbei.», Sergei Karaganov[31]

Dritter Weltkrieg

Ein regelrechter Weltkrieg hat begonnen. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1917 zurück, als sich Sowjetrussland aus dem kapitalistischen System losriss. Zuerst wurden die Interventionsmächte auf uns gehetzt, dann das faschistische Deutschland und fast ganz Europa, doch Letzteres verlor. Die zweite Runde begann in den 1950er Jahren, als die Völker der UdSSR unter enormen Entbehrungen, in dem Bestreben, für sich Souveränität und Sicherheit zu gewährleisten, die Atombombe entwickelten und anschließend im nuklearen Bereich Parität mit den USA errangen. Damit haben wir, ohne es damals zu begreifen, das Fundament unter der fünfhundertjährigen Vorherrschaft Europas/des Westens im ideologischen Bereich weggerissen, die es ermöglichte, den Rest der Welt auszuplündern und zuvor die fortschrittlichsten Zivilisationen zu unterdrücken. Dieses Fundament war die militärische Überlegenheit, auf der das System der Ausbeutung der gesamten Menschheit beruhte.
Zitat: «Ab Mitte der 1950er Jahre erlitt der Westen eine militärische Niederlage nach der anderen. Es begann die nationale Befreiung der Menschheit, die Verstaatlichung der Ressourcen, die von westlichen Ländern und ihren Konzernen erobert worden waren. Das weltweite Kräfteverhältnis begann sich zugunsten des Nicht-Westens zu verschieben.»

Zum ersten Mal versuchten die USA unter Reagan, sich zu rächen - durch rasantes Wachstum der Militärausgaben in der Hoffnung auf Wiederherstellung der Überlegenheit, durch die Lancierung des Mythos von den "Star Wars". Es folgte die Intervention in dem winzigen, wehrlosen Grenada, um zu zeigen, dass die Amerikaner immer noch siegen können.

Und dann hatte der Westen Glück. Aus internen Gründen - aufgrund des Verfalls des ideologischen Kerns und der Weigerung, die immer ineffizienter werdende Volkswirtschaft zu reformieren - brach die Sowjetunion zusammen. Das sich in der Krise befindliche kapitalistische Weltwirtschaftssystem erhielt eine riesige Dosis Adrenalin und Glukose - eine Vielzahl hungriger Konsumenten und billiger Arbeitskräfte.

Es schien, als hätte sich das Blatt gewendet. Es kam zu einer Euphorie, die jedoch nicht lange anhielt. Der Westen beging, berauscht vom Sieg, einige spektakuläre geostrategische Fehler, und dann begann Russland wieder aufzuleben - vor allem durch seine militärische Macht.

Die unmittelbaren Ursachen des aktuellen Weltkriegs traten Ende der 2000er Jahre zutage. Bereits unter Obama wurde der Kurs "America First" verkündet - die Wiederbelebung der Macht der USA -, die Militärausgaben stiegen, und eine Welle antirussischer Propaganda schwoll an. Moskau versuchte, durch die Rückeroberung der Krim einen neuen Revancheversuch des Westens zu stoppen, was bei diesem bereits regelrechte Hysterie auslöste. Doch wir haben diesen Erfolg nicht weiter ausgebaut. Die Hoffnungen auf eine "Einigung" blieben bestehen, man drehte sich um den "Minsker Prozess" im Kreis und wollte nicht sehen, wie auf ukrainischem Territorium die Armee und die Bevölkerung auf einen Krieg mit Russland vorbereitet wurden. Es folgten neue Sanktionswellen, noch während Trumps erster Amtszeit begann der Wirtschaftskrieg. Wir alle warteten auf irgendetwas. Dann lenkte COVID-19 die Aufmerksamkeit ab, was höchstwahrscheinlich eine der Fronten des beginnenden Krieges war, sich aber gegen den Westen selbst wandte.

Wir haben mit unserer Reaktion auf die Revancheversuche zu lange gewartet. Als wir schließlich 2022 damit begannen, haben wir einige Fehler begangen. Dazu gehörte die Unterschätzung der Absicht des Westens, Russland zu zerschlagen, um so den Grund für sein historisches Scheitern zu beseitigen, um sich anschließend China zu widmen und die von der UdSSR befreite Weltmehrheit (Dritte Welt, Globaler Süden) erneut zu unterdrücken. Wir haben die Kriegsbereitschaft des Kiewer Regimes und den Grad der Verblödung der ukrainischen Bevölkerung unterschätzt. Man hoffte, dass dort "unser Volk" sei, obwohl es westlich des Dnjepr ohnehin nur wenige gab und es immer weniger wurden. Ein weiterer Fehler: Wir begannen, gegen das Kiewer Regime zu kämpfen, ohne anzuerkennen, dass der Hauptgegner und die Quelle der Bedrohung der kollektive Westen war, insbesondere die Euro-Eliten, die bestrebt waren, von ihren eigenen Misserfolgen abzulenken und sich - im Idealfall - für die historischen Niederlagen des 20. Jahrhunderts zu rächen, allen voran die Niederlage der überwiegenden Mehrheit der Europäer, die unter Hitlers Fahnen gegen die UdSSR gezogen waren. Unser größter Fehler war jedoch die unzureichende Nutzung der wichtigsten Waffe in unserem Arsenal, für die wir in den 1940er und 1950er Jahren mit Unterernährung und sogar Hunger bezahlt haben: die nukleare Abschreckung.

Wir sind in einen Konflikt hineingezogen worden, der als "militärische Sonderoperation" bezeichnet wird, und haben damit im Grunde die uns aufgezwungenen Spielregeln akzeptiert - einen Zermürbungskrieg, angesichts des überlegenen wirtschaftlichen und demografischen Potenzials des Gegners. Der Krieg nahm den Charakter eines Stellungskrieges an, angepasst an die Technologien des 21. Jahrhunderts. In den Jahren 2023 und 2024 haben wir schließlich die nukleare Abschreckung und Eindämmung verstärkt, indem wir mehrere militärisch-technische Signale aussandten und die Doktrin zum Einsatz von Atomwaffen modernisierten. Die Amerikaner, die unter keinen Umständen vorhatten, für Europa zu kämpfen, insbesondere wenn es zu einer Eskalation auf nukleare Ebene kommen könnte (und damit zu einer Ausweitung des Konflikts auf das Territorium der USA), begannen bereits unter Biden, sich aus der direkten Konfrontation zurückzuziehen, während sie weiterhin vom Krieg profitierten und nebenbei die Europäer ausplünderten. Trump setzte unter dem Deckmantel der Friedensbemühungen diese Linie fort, indem er sich am Krieg bereicherte, aber das Risiko einer direkten Konfrontation mit Russland vermied.

Der Weltkrieg hat bislang zwei Hauptschauplätze, die miteinander verschmelzen - den europäischen (rund um die Ukraine) und den nahöstlichen (der Versuch der USA und ihres jüngeren Verbündeten Israel, den gesamten Nahen und Mittleren Osten zu destabilisieren). Als Nächstes wird Südasien folgen. Venezuela wurde bereits unterdrückt, Kuba wird weiter unter Druck gesetzt.

Es bedarf einer neuen Politik

Erstens: Uns muss klar werden, dass die tiefgreifenden Widersprüche im bestehenden Weltwirtschaftssystem, die das Wesen des Menschen selbst untergraben, den Untergang der Menschheit bedeuten könnten. Und die Fortsetzung unserer derzeitigen Halbherzigkeit in der Ukraine, die das Land zu erschöpfen droht, könnte die gerade erst wieder aufkeimende Kraft und den Geist Russlands untergraben.

Zweitens: Im militärisch-politischen Bereich kann man zwar über einen Waffenstillstand und den "Geist von Alaska" sprechen. Dabei muss man jedoch das Wesen der Geschehnisse verstehen und erkennen, dass langfristiger Frieden und die Entwicklung unseres Landes sowie der gesamten Menschheit unmöglich sind, ohne den Versuch eines militärisch-politischen Revanchismus des Westens zu unterbinden, dessen Speerspitze erneut Europa ist. Um diese Revanche zu verhindern, ist es notwendig, das Kiewer Regime zu vernichten und die für Russland aus Sicherheitsgründen notwendigen südlichen und östlichen Gebiete des Quasi-Staates "Ukraine" zu befreien. Unsere tapferen Kämpfer und Feldkommandeure können und müssen weiter vorrücken. Doch man muss begreifen, dass man mit einem modernisierten Stellungskrieg keinen Weltkrieg gewinnen kann. Man kann verlieren oder zumindest noch Hunderttausende unserer besten Männer opfern, die für den Kampf und die Siege in der bevorstehenden, äußerst gefährlichen und schwierigen - selbst ohne den Kampf um die Ukraine - historischen Phase notwendig sind.

Drittens: Es ist unmöglich, den aktuellen Konflikt in der Ukraine siegreich zu beenden und abzuschließen, geschweige denn zu verhindern, dass er sich zu einem Weltkrieg auf globaler thermonuklearer Ebene ausweitet, ohne die Politik der nuklearen Abschreckung und der Abschreckungsstrategie qualitativ zu verstärken. Dazu muss man aufhören, über "Rüstungsbegrenzung" zu schwadronieren. Die Frage nach einem neuen START-Vertrag muss ad acta gelegt werden. Allerdings sind Vereinbarungen über die gemeinsame Steuerung der Politik der nuklearen Abschreckung und der strategischen Stabilität nützlich und sogar notwendig. Der Aufbau von Raketen und anderen Trägersystemen mittlerer und strategischer Reichweite muss intensiviert werden, um den Westen von Versuchen abzuhalten, seine Überlegenheit zurückzugewinnen. Die Gegner müssen wissen, dass Überlegenheit und Straffreiheit unerreichbar sind.

Zitat: «Nuklearwaffen machen bei optimaler Anzahl und richtiger Einsatzdoktrin eine nichtnukleare Überlegenheit unmöglich und sparen Mittel für die Streitkräfte. Unsere "Burewestniks", "Oreschniks" und andere Hyperschall-Trägermittel müssen den Gegner davon überzeugen.»

Es gilt, eine neue Generation vorzubereiten, damit die Amerikaner im Voraus wissen, dass ihre Träume von der Wiedererlangung der Überlegenheit und der Fähigkeit, ihren Willen mit Gewalt durchzusetzen, unerfüllbar sind.

Die rasante Steigerung der Flexibilität der nuklearen Potenziale soll allen vor Augen führen, dass es unmöglich ist, eine große Atommacht durch ein Wettrüsten mit nicht-nuklearen Waffen oder in einem konventionellen Krieg zu besiegen. Vorausgesetzt natürlich, wir vermeiden den Wahnsinn eines massiven Aufrüstungswettlaufs, wie ihn die UdSSR und die USA in den 1960er Jahren betrieben haben. Das war sinnlos, teuer und gefährlich. Man muss potenziellen Gegnern einfach klar machen, dass ein Wettrüsten für sie aussichtslos und sogar selbstmörderisch ist. Zu diesem Thema lohnt es sich, zumindest mit den Amerikanern einen Dialog zu führen.

Gleichzeitig sollte man, um das außer Kontrolle geratene Washington zu zügeln, in die Doktrin zum Einsatz von Atomwaffen und anderen Waffenarten - für den Fall, dass die USA und der Westen ihren derzeitigen Kurs auf die Entfesselung eines Weltkrieges fortsetzen - eine Bestimmung über die reale Bereitschaft aufnehmen, gegen die überseeischen Vermögenswerte der Amerikaner und Europäer vorzugehen. Selbst in befreundeten Ländern. Von diesen Vermögenswerten sollten sie sich trennen. Dazu ist es notwendig, die Flexibilität unseres militärischen Potenzials weiterzuentwickeln. Die USA und der Westen sind um ein Vielfaches stärker von ihren ausländischen Vermögenswerten, Stützpunkten und Engpässen in den Bereichen Logistik und Kommunikation abhängig als wir. Der Gegner muss seine Verwundbarkeit spüren und wissen, dass wir davon wissen.

Es lohnt sich, aus den Erfahrungen der iranischen Verteidigung im Zuge der aktuellen amerikanisch-israelischen Aggression zu lernen. Teheran hat begonnen, die Schwachstellen des Gegners anzugreifen - und dieser hat das gespürt und begonnen, sich zurückzuziehen. Änderungen in der Doktrin und im konkreten militärischen Aufbau hin zu der Bereitschaft und Fähigkeit, asymmetrische Schläge auszuführen, werden die abschreckende Wirkung verstärken und eine zivilisierende Wirkung auf den Gegner haben, der sich in wahnwitzige Abenteuer stürzt oder dazu bereit ist, der einfach den Verstand verloren hat.

Es lohnt sich, die Prioritäten der Ziele für Präventivschläge zu ändern - zunächst nicht-nukleare, dann nukleare (im äußersten Notfall). Zu den ersten gehören nicht nur Kommunikations- und Kommando­zentralen, sondern, was wichtig ist, auch Orte, an denen sich die Eliten versammeln, insbesondere in Europa. Dies wird ihnen das Gefühl der Straffreiheit nehmen. Sie müssen wissen: Wenn sie den Krieg gegen Russland fortsetzen oder sich zu einer vertikalen bzw. horizontalen Eskalation des Konflikts entschließen, werden verheerende Schläge gegen sie und ihre Angehörigen erfolgen. Um die Wirksamkeit dieses Abschreckungsfaktors zu verstärken, sollte die Arbeit an der Entwicklung konventioneller und nuklearer Munition, die in große Tiefen vordringen kann, intensiviert und diese getestet werden. Die insbesondere in Europa von der Realität abgekoppelte Führungselite muss wissen, dass sie sich nicht in Bunkern oder auf Inseln verstecken kann. Die kürzlich erfolgte Veröffentlichung einer Liste europäischer Unternehmen, die Waffen für das Kiewer Regime herstellen, durch unser Verteidigungsministerium ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Derzeit gibt diese Elite vor, Angst vor uns zu haben. In Wirklichkeit aber hat sie keine Angst und beteuert ständig, dass Russland sie niemals mit Atomwaffen bestrafen werde. Wir müssen ihnen panische Angst einflößen. Vielleicht weichen sie dann zurück, oder ihre Herren aus den "tiefen Staaten" vertreiben sie. Vielleicht erheben sich auch die Gesellschaften. Die Glaubwürdigkeit der Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen muss verstärkt werden, um diese Gesellschaften aus ihrem "strategischen Parasitismus" zu wecken - aus der Gewissheit, dass es keinen Krieg geben wird, dass "alles gut gehen wird". Den Völkern, die den Krieg und die Verbrechen ihrer Länder in den vergangenen Jahrhunderten vergessen haben, muss wieder ein Bewusstsein für den eigenen Fortbestand vermittelt werden.

Es ist klar, dass eine solche Linie gegenüber Deutschland absolut notwendig ist. Ein Land, das zwei Weltkriege entfesselt und sich des Völkermords schuldig gemacht hat, hat kein Recht auf die "stärkste Armee Europas" und schon gar nicht auf Massenvernichtungswaffen. Sollte es danach streben, müssen die deutschen Bürger verstehen, dass ihre Heimat zerstört wird, damit nie wieder von deutschem Boden eine Bedrohung für den Frieden ausgeht.

Viertens: Um die Drohung glaubwürdiger zu machen, müssen einige Änderungen an der Doktrin zum Einsatz von Atomwaffen vorgenommen werden. Darin muss festgeschrieben werden, dass im Falle einer Aggression (oder der Fortsetzung einer Aggression) seitens eines Landes oder einer Gruppe von Staaten, die über ein größeres wirtschaftliches, demografisches und technisches Potenzial verfügen als wir, das russische Militärkommando nicht nur das Recht hat, sondern verpflichtet ist, Atomwaffen einzusetzen. Dabei muss natürlich zunächst eine Reihe von Atomtests durchgeführt werden (es ist unverständlich, warum wir darauf warten, dass die Amerikaner damit beginnen - wollen wir wieder einmal gefallen?). Darauf müssen Angriffe mit konventioneller Munition auf Logistikzentren, Kommandostellen und symbolische Ziele folgen. Wenn sie nicht aufhören oder zurückschlagen - muss eine Serie von gruppierten Atomschlägen folgen.

Das Setzen auf nukleare Abschreckung ist notwendig, um den Weg zum Drohnenkrieg zu versperren. Die Antwort muss vernichtend sein. Wenn beispielsweise nach möglichen Friedensvereinbarungen oder sogar einer Kapitulation erneut Raketen oder Drohnen vom Territorium der Ukraine und der Nachbarländer aus starten, müssen diejenigen, die hinter den Drohnenpiloten stehen, wissen: Vergeltung - sogar nukleare - wird sie ereilen. Dann werden sie selbst beginnen, auf die mutmaßlichen Provokateure Jagd zu machen.

Fünftens: Neben militärisch-technischen Maßnahmen und doktrinären Änderungen sollte dem Oberbefehlshaber (dem Präsidenten Russlands) vorgeschlagen werden, unverzüglich einen Befehlshaber für den europäischen Kriegsschauplatz zu ernennen, um die Glaubwürdigkeit unserer Drohung deutlich zu erhöhen. Diese Position sollte ein kampferprobter General bekleiden, der das Recht und die Pflicht hat, im Bedarfsfall Atomwaffen einzusetzen. Diese Person (und ihr Stab, in dem Offiziere mit Kampferfahrung überwiegen sollten) muss auf eine solche Entwicklung der Ereignisse vorbereitet sein.

Sechstens: Es ist längst an der Zeit, sich von der idiotischen These zu verabschieden - die vor allem den Amerikanern zugute kommt -, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben könne und dass der Einsatz von Atomwaffen unweigerlich zu einer Eskalation auf weltweiter thermonuklearer Ebene führen würde. Diese Behauptungen widersprechen der elementaren Logik und konkreten militärischen Plänen. Ich wiederhole: Gott bewahre, dass Atomwaffen eingesetzt werden. Unschuldige Menschen würden sterben, und der Mythos, der die Menschheit rettete - dass jeder Einsatz dieser Waffen zu einem allgemeinen Armageddon führen würde -, würde zerbrechen. Aber in einem Atomkrieg, insbesondere im dicht besiedelten und moralisch schwachen Europa, kann man gewinnen. Sogar leicht. Aber, noch einmal, Gott bewahre!

Zitat: «Noch einmal: Der Einsatz von Atomwaffen ist eine große Sünde. Aber der faktische Verzicht auf ihren Einsatz ist ebenfalls eine schwere Sünde, denn er führt zur Ausweitung und Verschärfung des vom Westen begonnenen Weltkriegs. Wenn man ihn nicht aufhält, wird er in jedem Fall mit dem Untergang der Menschheit enden - und auf dem Weg dorthin mit der Erschöpfung und dem Untergang unseres Landes. Und wozu brauchen wir eine Welt, in der es kein Russland gibt?»

Diese von Wladimir Wladimirowitsch Putin

– Wladimir Putin]] gestellte Frage bleibt nach wie vor hochaktuell.

Siebtens: Parallel zu der längst überfälligen Notwendigkeit einer Modernisierung der Nuklearstreitkräfte, insbesondere ihrer Einsatzdoktrin, müssen dringend eine Reihe von parallelen Schritten unternommen werden. Gemeinsam mit China muss Iran dabei unterstützt werden, standzuhalten und zu siegen. Den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, einschließlich sogar Israels, das seine Legitimität untergraben hat, muss vorgeschlagen werden, die Schaffung eines regionalen Sicherheitssystems mit Garantien Russlands, der VR China und möglicherweise Indiens zu beschleunigen. Diese Großmächte haben im Gegensatz zu den USA und ihren Vasallen ein vitales Interesse an der Stabilität der Region.

Achtens: Angesichts der akuten Gefahr eines globalen Krieges in den kommenden Jahrzehnten und der Versuche des Westens, Rache zu üben, lohnt es sich schließlich, den Abschluss eines befristeten (auf zehn Jahre mit möglicher Verlängerung) Verteidigungsbündnisses mit der VR China in Betracht zu ziehen. Dies ist nützlich, um die Revanchisten aufzuhalten und um zu verhindern, dass das befreundete China die Notwendigkeit verspürt, im strategischen Nuklearbereich Parität mit den USA und Russland zu erreichen. Ein mit dem unseren gleichwertiges nukleares Potenzial bei einem Übergewicht Chinas in anderen Bereichen der Gesamtmacht (Wirtschaft, Demografie) könnte bei den künftigen Führern Russlands Ängste und Misstrauen hervorrufen. Das ist weder für das russische noch für das chinesische Volk von Nutzen.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Schritte, die durchdacht und in die Tat umgesetzt werden müssen, um zu verhindern, dass sich ein neuer Weltkrieg ausbreitet und zu einem globalen thermonuklearen Konflikt eskaliert. Doch die oben aufgeführten Schritte reichen wohl aus, um den Krieg, der unser Land ausblutet, zu beenden und vor allem ein Abgleiten in eine globale Katastrophe zu verhindern. Dies ist eine dringende Aufgabe von weltgeschichtlicher Tragweite. Wenn wir sie nicht lösen, werden uns unsere Nachkommen (sofern es welche gibt) und der Allmächtige unsere geistige Trägheit und Feigheit nicht verzeihen.

Während wir dem Revanchismus des Westens und der Ausweitung des Weltkrieges zu einer allgemeinen Katastrophe entgegenwirken, dürfen wir nicht vergessen, die grundlegenden Probleme zu lösen, die der derzeitigen, schwersten Krise des Weltordnungssystems in der Geschichte der Menschheit zugrunde liegen. Das sind die Erschöpfung des modernen Modells der kapitalistischen Wirtschaft und die Bedrohung, die es in Verbindung mit der allgemeinen Informatisierung und einer Reihe anderer Merkmale der modernen Zivilisation für die Existenz des Homo sapiens darstellt. Doch darüber mehr in anderen Artikeln.



Übersetzt aus dem Russischen[ext]. Der Artikel ist am 4. Mai 2026 zuerst auf der Homepage von "Russia in Global Affairs" erschienen.

Russisch-Ukrainischer Konflikt

Nach Anschluss der Krim an die russische Föderation

2014 schrieb Karaganow drei Artikel, in denen er die damalige Situation analysierte[32]. Er fasste die Sezession der Krim als einen russischen Sieg auf, der die Chance biete, die vom Westen etablierte und Russland benachteiligende Ordnung in Europa neu zu verhandeln und damit den bereits begonnenen neuen Kalten Krieg zu beenden. Russische Rohstoffe und westeuropäische Technologie würden sich ergänzen und für die Ukraine sei eine neutrale Position zwischen EU und Russland bei gleichzeitiger Wahrung ihrer territorialen Integrität (ohne die Krim) das bestmögliche Szenario. Grund für die militärische Unterstützung der Sezession der Krim und ihrer Aufnahme in den russischen Staatsverband sei der Schutz des Seehafens von Sewastopol für die Schwarzmeerflotte[wp] gewesen, diesbezügliche Bedenken Russlands seien ignoriert worden. Karaganow warnte aber vor zu ehrgeizigen Zielen Russlands, die Einvernahme weiterer Territorien der Ukraine sei unrealistisch und zu kostenträchtig. In seinem folgenden Artikel (Europe and Russia: Preventing a New Cold War) hielt er fest, dass der Westen das schnelle Handeln Russlands als Versuch aufgefasst habe, sein Ordnungsmonopol herauszufordern und dass Russland nun gezwungen sei, für das Überleben seiner Regierungsform und des Landes seine Wirtschaft Risiken auszusetzen. Russland verlange eine Änderung der internationalen Grundregeln und spreche damit für die gesamte nichtwestliche Welt.[33] Russland befände sich zwar auf dem Höhepunkt seiner Stärke, absehbar jedoch würde Russlands Stärke nicht mehr zunehmen. Es komme nun auf wirtschaftliche und innere Reformen an. Bislang habe Russlands Vorgehen Erfolge bewirkt, aber das Verhältnis zum Westen sei schwer belastet und China werde an relativer Macht gewinnen. Russlands Spielräume verengten sich so. In der nichtwestlichen Welt werde das Ansehen Russlands zwar wachsen, aber nur wenn Russlands riskante Strategie siegreich bleibe.[34] In einem dritten Artikel in der Wedomosti[wp] warnte Karaganow davor, das Russland seinen Sieg möglicherweise nicht werde nutzen können. Der Konflikt in der Ukraine sei eine Gefahr geworden, denn die USA versuchten Russland in ein zweites Afghanistan[wp] zu verwickeln. Flüchtlinge und Sabotage­aktionen würden russische Grenzregionen gefährden. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, wie der Konflikt sich entwickeln könnte, darunter eine russische Gesamtinvasion der Ukraine. Diese sei aber zu gefährlich, um akzeptabel zu erscheinen. Das Beste sei, sich mit der Krim und der erfolgreichen Verhinderung eines Ausgreifens der NATO zu begnügen und sich auf die Entwicklung des Fernen Ostens Russlands und des asiatisch-pazifischen Raumes zu konzentrieren.[33]

Eskalation der Krise 2022

Karaganow gilt als einer der ideologischen Vordenker innerhalb russischer Führungskreise, dessen Vorstellungen über die Ukraine und die Entstehung des Konfliktes mit denen Wladimir Putins in ideeller Hinsicht eng verwandt sein sollen.[35] Die sich Ende 2021/Anfang 2022 zuspitzende Krise bewertete er als sehr gefährlich, die Gefahr eines Weltkrieges mit thermonuklearer und Cyberkriegsführung sei real. Dann würde alle Geschichte enden und es würde keinen vierten Kalten Krieg mehr geben.[36]

Kurz vor Invasionsbeginn nannte er eine Eroberung der Ukraine und die Herrschaft über ein zerstörtes Land mit feindlicher Bevölkerung noch ein "Worst-Case-Scenario" und führte an, dass nicht Russland mit militärischen Feindseligkeiten beginnen würde und keinen Krieg wolle. Die Ukraine solle ein Pufferstaat sein. Es gehe darum, eine mögliche Situation wie am 22. Juni 1941 (Hitlers Überfall auf die UdSSR[wp]) im Vorhinein zu verhindern, die NATO sei ein "Krebs", der "metastasiere" und eine ständige Konfrontation zur Eigen­stabilisierung brauche, ein möglicher NATO-Aufmarsch in der Ukraine eine existentielle Bedrohung, die man besser früher als später angehe. Durch die NATO-Mitgliedschaft seien die baltischen Länder und Polen immer unfreundlicher geworden. Die damalige sowjetische Zustimmung zum Recht eines jeden europäischen Staates, sich seine Allianzen frei wählen zu dürfen in der Charta von Paris[wp], sei ein Fehler gewesen. Mit dem Westen sei ein freundschaftliches Auskommen möglich, solange dieser nicht von "Ultra-Feminismus" und "LGBT-Kult" regiert werde. Hoffentlich würden "vernünftige Kräfte" den Westen vor dem Fall in einen "moralischen Abgrund" bewahren. Trotz der festen Verbindung mit China sei nach einem Ausgleich mit dem Westen in einigen Jahren ein zusätzlicher Partner aber kein Schaden, zumal das eigene Ungleichgewicht mit China sich noch verstärken werde. Russland und China gemeinsam könnten jedoch auch harte westliche Sanktionen kontern, im Cyberkrieg könnten beide vereint die USA hart treffen. Er glaube nicht, dass tatsächlich russische Pläne bestünden in die Ukraine einzumarschieren, Russland baue lediglich eine Drohkulisse auf, um den Donbass vor einem Angriff zu schützen. Dieses Vorgehen habe die USA bereits dazu bewogen, diplomatisch durch Anerbieten von Gesprächen über Rüstungs­kontrolle auf Russland zuzugehen.[37][38] Er sei sicher, dass keine Invasionspläne bestünden, die Eroberung und die Besetzung einer völlig verarmten und ökonomisch zerstörten Ukraine sei das schlechtestdenkbare Szenario.[39] Die Ukraine werde nicht bedroht, sondern sei ein "Freund Russlands", man habe selbst genug Territorium und außerdem sei sie faktisch ein "Bettler Europas", da sie durch ihre Eliten und den Westen ausgehöhlt worden sei, der Truppen­aufmarsch solle allein den Westen nervös machen.[27] Der Gedanke, Russland würde nach Kiew vorstoßen wollen, sei gänzlicher "Nonsens".[38]

Eingreifen Russlands in den Donbass-Bürgerkrieg

Drei Wochen nach dem Übergang vom Bürgerkrieg im Donbass zum Ukraine-Krieg - während der Schlacht um Kiew[wp] - gab er an, dass er den ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij "natürlich nicht" für einen Nazi halte,[40] jedoch könne Nationalsozialismus nicht allein mit Antisemitismus identifiziert werden, sondern generell mit der Herabwürdigung anderer Nationen. Dies eben geschehe in der Ukraine, die sich seiner Meinung nach in die gleiche Richtung wie Hitlerdeutschland entwickle. In Europa gleiche die Russenfeindlichkeit seit längerem dem Antisemitismus der Zeit zwischen den Weltkriegen, die gesamte russische Kultur werde verteufelt und "gecancelt". Man sei faktisch bereits im Krieg mit dem Transatlantikblock. Der Ukrainekonflikt werde auch Auswirkungen auf die russische Gesellschaft haben, man werde diese im nationalen Sinne militant umformen und nicht-patriotische Elemente aus der russischen Elite entfernen. Die Ukraine dürfe nach Konfliktende nur begrenzt und ausschließlich mit der expliziten Zustimmung und unter dem Vorbehalt Russlands bewaffnet bleiben. Die gesamte Sicherheits­architektur Europas nach 1990 sei "illegitim" und müsse unter Berücksichtigung der Interessen Russlands umgearbeitet werden, weil die in der Vergangenheit erfolgte russische Zustimmung zu NATO-Osterweiterungen ein schwerer Fehler gewesen sei. Die Vermeidung der Tötung von Zivilpersonen und Zerstörung von ziviler Infrastruktur sei eine Prämisse der russischen Kriegsführung und die Russland vorgeworfenen Kriegsrechts­verletzungen, wie das Massaker von Butscha, hätten nie stattgefunden, sondern seien öffentlichkeits­wirksam inszenierte Psy-Ops britischer und US-amerikanischer Geheimdienste gewesen. Karaganow gab zu, dass Russland im Binnen­verhältnis gegenüber China abhängiger werde, jedoch glaube er nicht, dass Russland ein Klientelstaat Chinas werden könne, im Unterschied zu den Titular­nationen[wp] vieler anderer europäischer Staaten, die bereits von den USA mental und kulturell zu unterschiedlichen Grad kolonisiert seien, hätten die Russen einen Sinn für Unabhängigkeit und seien den Chinesen mental und kulturell auch nicht ähnlich. Allerdings sei das Verhältnis sehr eng, der eine gebe dem andern Stärke.[41] China würde der große Gewinner des Konfliktes werden, die Ukraine der große Verlierer, ihr Land würde irgendwie geteilt werden müssen, damit Russland in irgendeiner Form siegreich bliebe, wie immer das auch aussehe. Ein vollständiger Sieg über die Ukraine wäre wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten der Besatzung nämlich kein Sieg. Verlieren werde nicht nur die EU, sondern ganz Europa - und damit auch Russland. China sei technologisch und ökonomisch weit überlegen, diese überwältigende Stärke mache ihm für das kommende Jahrzehnt große Sorgen. Er hätte durch Lösung der Ukrainefrage und der Beseitigung der von der NATO ausgehenden Gefahr eine starke Position gegenüber China angestrebt, nun werde es viel schwerer für Russland, Chinas Macht zu widerstehen. Die Einsicht in die Notwendigkeit zur Integration in einen eurasischen Groß­wirtschaft­raum auf Seiten der europäischen Klientelstaaten der USA werde zunächst ausbleiben, womöglich aber in zehn Jahren beginnen. Man erlebe eine wichtige Zeit, die Globalisierung sei beendet und die Demokratie in Europa würde in bekannter Form aufgrund absehbar fortgesetzter Schocks wohl nicht überleben.[40]

Anders als der US-amerikanische Stratege Zbigniew Brzeziński[wp] geglaubt habe, sei die Verfügungsgewalt über die Ukraine gar nicht die Bedingung für ein russisches Imperium, sondern jener Sibiriens. Die Ukraine sei lediglich eine auszuschaltende Gefahr und eine Last für Russland, für die man keine ökonomischen Ressourcen verschwenden solle. Der Aufbau Sibiriens aber würde Siedler aus der ehemaligen Sowjetunion anziehen, darunter auch Ukrainer. Strategie des aktuellen Vorgehens, welches lediglich ein Anfang wäre, sei, mittels sogenannter konstruktiver Zerstörung die bisherige Sicherheits­ordnung zu überwinden, die Bedeutung internationaler Organisationen wie etwa der OSZE aufzuheben oder mindestens stark zu minimieren, sich von einem im Niedergang befindlichen Europa abzuwenden und sich China und dem sich entwickelnden Asien zuzuwenden und später über den Wiederaufbau freundlicher Beziehungen zu europäischen Staaten deren Integration in eine eurasische Wirtschafts­gemeinschaft möglicherweise zu befördern. Das könne man als Putin-Doktrin verstehen. Die USA würden niemals tatsächlich Atomwaffen gegenüber einer Atomwaffenmacht nutzen, um ihre europäischen Klientelstaaten zu schützen.[30] Würde Russland allerdings entgegen seinen Erwartungen im Ukraine-Krieg einen "Nichtsieg oder eine vermeintliche Niederlage" davontragen, so bedeute das eine existenzielle Bedrohung für Russland, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine direkte Konfrontation mit den USA eskalieren würde. Atomwaffen­einsatz sei dann nicht auszuschließen und liege in der Logik eines solchen Konflikts.[40] Er identifizierte die unmittelbar aufeinander gefolgten NATO-Erweiterungen als Ursache für den Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland in der Ukraine und führte aus, Russland könne sich eine Niederlage nicht leisten und müsse aus diesem Grund militärisch einen wie auch immer gearteten Sieg auf jeden Fall erringen, denn ansonsten drohe eine weitere Eskalation und ein direkte Konfrontation mit der NATO. Ziel der Militäroperation seien die "Denazifizierung" und Demilitarisierung der Ukraine, die er als synthetisches Konstrukt charakterisierte. Das von ihm favorisierte und für am wahrscheinlichsten befundene Szenario einer endgültigen Lösung des Konflikts und nachhaltigen Befriedung besteht in der Aufteilung der Ukraine zwischen Russland einerseits und Polen, Ungarn und Rumänien andererseits.[42]

Im Juni 2022 bekräftigte er, dass der Krieg von Russland als existentiell angesehen werde, denn im Falle einer Niederlage drohe der Zerfall des Landes, was die Machteliten der USA und ihrer Klientelstaaten auch als Endziel verfolgen. Deswegen sorge er sich um eine Eskalation, eine Aufnahme Schwedens und Finnlands in die NATO würde die Schwelle zur nuklearen Eskalation weiter senken. Ein russischer Sieg könne in der Inkorporation der südlichen und östlichen Gebiete der Ukraine realisiert werden, wohingegen eine Integration des ukrainischen Gesamtstaates eine von ihm nicht gewünschte zu große Last für Russland darstellen würde. Sollte Russland verlieren, würde China vollkommen verwundbar sein, die Chinesen verstünden dies. Strategisches Ziel sei die Sicherung der Westgrenze Russlands, die US-amerikanische Dominanz könne nicht wieder hergestellt werden, was zu größerer Unsicherheit aber auch zu einer freieren Welt führen würde. Anfangs würde Russland zwar verstärkt von China und anderen asiatischen Ländern abhängig sein, aber in zehn Jahren werde sich eine neue weltpolitische Ordnung konstituiert haben, die den Aufbau eines Groß-Eurasiens in Form eines "Commonwealth" von Shanghai bis Lissabon oder Paris ermöglichen werde.[43] Russland in seinem Zentrum werde nach Jahrhunderten der Unterdrückung die "Zivilisation aller Zivilisationen werden".[44]

Im Februar 2023 bestritt er die dem russischen Militär von Groß- und Staats­medien der Länder des Transatlantikblocks zur Last gelegten Kriegsverbrechen in der Ukraine und entgegnete, dass derartige Methoden der Kriegsführung nicht der einschlägigen Vorstellung Russlands entsprächen, sondern von den ukrainischen Streitkräften verübt würden, die ihrerseits hierfür strafrechtlich belangt würden.[45]

Forderung nach Eskalation durch Atomwaffeneinsatz

Im Juni 2023 forderte Karaganow in einem Fachaufsatz[46][5] die glaubwürdige Drohung mit und gegebenenfalls den Einsatz von Atomwaffen gegen das Imperium USA und oder bestimmte Klientelstaaten desselben, wie beispielsweise Polen. Atomwaffen seien "Gottes Waffe", die dieser den Menschen bewusst (!) geschenkt habe, ihr Auftreten habe durch den damit verbundenen Schrecken dafür gesorgt, dass Mächte friedlich koexistieren konnten. Die USA und ihre Klientelstaaten haben diese Lektion aber vergessen, sie müsse erneut verdeutlicht werden, denn ein Angriff auf Transatlantik­block­länder würde denselben erlauben, ihre Unterstützung für die Ukraine zu beenden. Der Einsatz von Atomwaffen sei eine schwere moralische Entscheidung, die aber die Menschheit vor ungewollter Vernichtung durch unkontrollierte Eskalation retten könne, denn danach würden die USA eine multipolare und kulturell plurale Welt akzeptieren und ihren - so Karaganow - totalitären Anspruch aufgeben. Ein konventioneller Sieg in der gesamten Ukraine alleine würde Russland nicht reichen, denn danach begänne eine schwierige Besatzungszeit über eine feindliche und von der NATO weiterhin unterstützte ukrainische Bevölkerung, deren Umerziehung mindestens ein Jahrzehnt dauern würde und wertvolle Ressourcen, die besser im Osten Russlands und in Sibirien eingesetzt werden sollten, verbrauchen würde. Nur der durch Nuklear­waffen­einsatz­androhung erzwungene Entfall westlicher Unterstützung ermögliche den erstrebten Sieg, den Karaganow in einem umfassenden strategischen Rückzug und einer Kapitulation der NATO und in der russischen Sicherung südlicher und östlicher Gebiete der Ukraine und einem unbewaffneten west­ukrainischen Rumpfstaat als Puffer sieht. China und andere nicht dem Transatlantikblock zugehörige Staaten würden öffentlich einen Einsatz von Atomwaffen zwar nicht unterstützen, die durch ihn verursachte Schwächung der USA und der ehemaligen Kolonialmächte insgeheim aber bejahen. Schließlich würden Sieger nicht verurteilt werden und Rettern werde gedankt. Russland müsse die NATO insgesamt in die Schranken weisen und Putin hätte dementsprechend erste eskalatorische Maßnahmen, wie die Verlegung von Atomwaffen nach Belarus, ergriffen, denen aber weitere folgen müssten. Die USA würden sich fürchten, auf nuklear­militärische Angriffe in Europa entsprechend zu antworten und das bedeute den russischen Sieg.[47][48][49][50][51]

Gespräche

  • Youtube-link-icon.svg Deutschland, Russland und der Krieg: Ein Strategen-Blick auf Europas politische Selbstzerstörung - Alexander von Bismarck (3. April 2026) (Länge: 37:10 Min.)
    Ein Gespräch, das so in deutschen Medien kaum vorkommt.
    Alexander von Bismarck reist nach Moskau und spricht mit dem russischen Strategen Sergej Karaganow über den Ukraine-Krieg, die Rolle Europas, den Zustand der politischen Eliten und die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen.
    Dabei geht es um zentrale Fragen unserer Zeit:
    • Gibt es noch echten Dialog zwischen Deutschland und Russland?
    • Wird Europa in einen größeren Konflikt gedrängt?
    • Welche Rolle spielen Medien, Propaganda und politische Narrative?
    • Und: Gibt es noch eine Chance auf Verständigung - jenseits von Eskalation?
    Das Interview liefert eine Perspektive, die im öffentlichen Diskurs selten zu hören ist - kontrovers, direkt und ohne diplomatische Filter.
    • Youtube-link-icon.svg Германия, Россия и война: взгляд стратега на политическое самоуничтожение Европы - Alexander von Bismarck (14. April 2026) (Länge: 37:05 Min.)
    • Russischer Chef-Stratege: Wir wollen euch Deutsche wirklich nicht bestrafen, aber ihr provoziert es, RT DE am 23. April 2026
      Am Dienstag wurde ein Gespräch zwischen Alexander von Bismarck und dem einflussreichen russischen Politologen Sergei Karaganow veröffentlicht. Darin warnt Letzterer das deutsche Volk davor, ihre Eliten weiter gegen Russland hetzen zu lassen.
      "Und dass ihr wieder diesen Weg [eines Krieges] beschreitet und hetzt, flößt einerseits Schrecken ein, andererseits aber auch die Entschlossenheit zur Bestrafung", so Karaganow an das deutsche Volk.
      "Wir möchten das deutsche Volk nicht bestrafen, wir möchten keine unschuldigen Menschen bestrafen", stellte der Leiter des russischen Rates für Außen- und Verteidigungs­politik klar, aber er fügte dennoch hinzu: "Wenn es so weitergeht, wird es früher oder später so weit kommen, dass wir gezwungen sein werden, jene Europäer zu bestrafen, die Krieg gegen uns führen."
      Karaganow konstatierte, dass Moskau stets für "ernsthafte Gespräche" mit Deutschland bereit sei, aber ihm zufolge wisse Russland, "dass ein solches Gespräch leider sogar unseren deutschen Freunden untersagt ist."

Rezeption

Karaganow hält seine eurasistischen Vorstellungen für realistische[wp] Geopolitik, genau daran gibt es aber auch in Russland Zweifel. Nadeshda Arbatova vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen[wp] und Direktorin am Europa-Institut der Russischen Akademie für Wissenschaften hält seine Ideen für genauso überoptimistisch und überspannt ("fanciful") wie jene westlichen Ideen, die er und andere Eurasisten kritisieren. Ob China oder Indien sich der von Karaganow erhofften führenden Rolle Russlands anschließen würden, sei ähnlich ungewiss und spekulativ, wie eine Zustimmung in den ASEAN-Staaten oder in Japan und Südkorea.[52]

Thomas F. Remington vom Davis Centre for Russian and Eurasian Studies der Universität Harvard weist auf Widersprüche in Karaganows Hoffnungen hin. Karaganow sehe in Russland eine Brücke zwischen einem verfallenden Europa und einem aufstrebenden China und Asien, die über bloße Logistik hinausgehe und auch industriell und kulturell ein Gewicht besitze, das auf der Erschließung und Anbindung Sibiriens beruhe, mit Russland als dem Haupt­gewähr­leister militärischer Sicherheit und des Friedens in Eurasien. Jedoch gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass China bereit sei, in ein mit Russland geteiltes Kondominium[wp] einzutreten oder die verkehrs­technische Erschließung Sibiriens in seine One Belt, One Road-Strategie zu integrieren oder zu bezahlen. China setze auf bilaterale Verständigung mit einzelnen Staaten, ohne auf den russischen Wunsch nach multilateralen regionalen Organisationen einzugehen.[53]

Katri Pynnöniemi vom Finnish Institute of International Affairs fiel 2014 auf, dass Karaganow im Verlaufe des Konfliktes um die Krim Verweise auf das Konzept der Russki Mir[wp] vermied und stattdessen auf die Notwendigkeit innerer Reformen und die Hinwendung zum asiatisch-pazifischen Raum verwies[33], Walter Laqueur[wp] nannte Karaganows damalige Überlegungen "vorausschauender, als das meiste", was sonst aus Russland komme, er gehöre zu einer "Friedenspartei", die nach der militärischen Unterstützung der Sezession der Krim und und deren Aufnahme in den eigenen Staatsverband politisch und wirtschaftlich Druck auf den Westen ausüben wolle, nicht aber militärisch, weil das viel zu risikoreich sei.[54]

Der russische Oppositionspolitiker Andrei Piontkowski[wp] hielt Karaganow 2017 für einen versteckten Warner vor einer zu aggressiven Politik gegenüber der Ukraine. Karaganow habe in einem Artikel Putin für die Ermöglichung der Sezession der Krim und die Eingliederung derselben in die Russische Föderation überschwänglich gelobt und seinen politischen Genius gepriesen, ihn aber gleichzeitig aufgerufen, weiterhin dafür zu sorgen, dass ein Versuch der NATO, Russland in einen Krieg mit der Ukraine zu verwickeln, scheitern müsse. Das sei Hinweis darauf, dass der kremlnahe Karagonow zu jenen gehöre, die keinen russisch-ukrainischen Krieg wollten.[55]

Politologen in den Ländern des Transatlantik­blocks sehen Parallelen zwischen dem Denken Karaganows und dessen Anhänger zum Großraum[wp]-Denken Carl Schmitts.[56]

Wladislaw Inosomzew[wp] forderte nach der Invasion der Ukraine die EU und NATO dazu auf, Karaganow neben anderen großrussischen Ideologen zu sanktionieren.[57]

Nachdem Karaganow im Juni 2023 den Einsatz von Atomwaffen - welche die Menschheit durch göttliches Eingreifen bekommen habe - gegen US-amerikanische Klientelstaaten vorschlug, um dieselben von der Unterstützung der Ukraine abzubringen und den US-amerikanischen Einfluss generell zurückzudrängen, zweifelte Alexander J. Motyl[wp] an Karaganows Verstand.[58] Lydia Wachs von der Stiftung Wissenschaft und Politik[wp] machte in der Rezeption des Vorschlages bei russischen Experten Unterstützer und Gegner aus. Während etwa Unterstützer wie Dmitri Trenin[wp] mit Karaganow davon ausgingen, die USA würden in Europa allenfalls konventionell reagieren und den Konflikt nach dem ersten Kernschlag gegen die USA selbst abbrechen, folgen Gegner wie (der Programmdirektor beim Russischen Rat für Internationale Beziehungen und beim Waldai-Diskussionsclub) Iwan Timofejew diesen Ansichten nicht: Eine möglicherweise katastrophale Eskalation sei nicht zu kontrollieren, China würde den Einsatz von Atomwaffen nicht unterstützen und der Krieg in der Ukraine würde so auch nicht beendet werden können. Wachs bezweifelt einen Einfluss der Befürworter um Karaganow auf die politische Führung, Putin selbst habe den Vorschlag Karaganows Mitte Juni 2023 öffentlich als "gefährlich" zurückgewiesen und ausgesagt, dass es "derzeit" keine Notwendigkeit für einen Einsatz von Atomwaffen gebe. Wachs vermutet, dass die Gefahren innerhalb der politischen Führung und des Militärs durchaus gesehen werden und erst die Gefahr des drohenden Machtverlustes Putins nach einer Niederlage in der Ukraine das Eskalations­risiko ansteigen lasse.[59]

Der AfD-Politiker Maximilian Krah schrieb am 28. Oktober 2021 nach einem Treffen mit Karaganow, sie seien sich "politisch einig" und hätten "Freundschaft geschlossen".[60]

Anmerkungen

  1. Karaganows Forderung nach einem nuklearen Präventivschlag[wp] ist möglicherweise eine veraltete Ansicht, da Russland den NATO-Staaten durch konventionelle Hyperschall­raketen[wp] und durch Oreschnik[wp] überlegen ist und mit diesen Waffen den gleichen Effekt erzielen könnte. Siehe auch die Stellungnahme von Martyanow im Interview mit Glenn Diesen[wp]:
    • Youtube-link-icon.svg Andrei Martyanov: Der Krieg ist vorbei & Russland könnte Odessa erobern - Glenn Diesen Deutsch (12. April 2025) (Länge: 52:08 Min.)
      Andrei Martyanov ist ein Experte für russische Militär- und Marine­fragen. Er wurde 1963 in Baku, UdSSR, geboren. Er absolvierte die Kirov Naval Red Banner Academy und diente bis 1990 als Offizier auf den Schiffen und in der Stabsposition der sowjetischen Küstenwache. Mitte der 1990er Jahre zog er in die Vereinigten Staaten, wo er als Laborleiter in einer kommerziellen Luft- und Raumfahrt­gruppe arbeitete.

Einzelnachweise

  1. Siehe: Biografie.
  2. 2,0 2,1 Gregory Feifer: Putin's Foreign Policy a Private Affair[archiviert am 26. April 2005], The Moscow Times am 2. April 2002
  3. "Russia cannot afford to lose, so we need a kind of a victory": Sergey Karaganov on what Putin wants, New Statesman am 2. April 2022
  4. Hans Monath: "Die Demokratie in ihrer jetzigen Form wird im Großteil Europas nicht überleben", Der Tagesspiegel am 6. April 2022
  5. 5,0 5,1 Sergej Karaganow: "Der Einsatz von Atomwaffen könnte die Menschheit vor einer globalen Katastrophe bewahren", Berliner Zeitung am 17. Juni 2023 (deutsche Übersetzung von Alexander Dubowy)
  6. С. А. Караганов, abgerufen am 20. Juni 2022 (englisch)
  7. Pdf-icon-extern.svg Russische Außen- und Sicherheits­politik zwischen Großmachtanspruch und Wirtschaftsmisere[ext] - Hannes Adomeit, in: Jahrbuch für internationale Sicherheitspolitik 2000, Verlag E.S. Mittler & Sohn
  8. Manfred Quiring: Russland - Ukrainekrieg und Weltmachtträume, Aktualisierte und erweiterte Ausgabe, Ch. Links Verlag, Berlin, 2022, ISBN 978-3-96289-182-4, Seite 49
  9. Alexander Dubowy: Polen bedroht? Wie Putins Ideologe den Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg rechtfertigt, Berliner Zeitung am 17. Juni 2023
  10. David J. Smith: The Baltic states : Estonia, Latvia and Lithuania, London, 2002, ISBN 978-1-136-48304-2, Seite 161
  11. Vladislav Inozemtsev, Sergei Karaganov: Imperialism of the Fittest., in: The National Interest, NR. 80 (2005): Seiten 74-80
  12. Young-Chan Kim: China and the Belt and Road Initiative : trade relationships, business opportunities and political impacts, Cham, 2022 |ISBN 978-3-030-86122-3, 232 Seiten
  13. 13,0 13,1 Sergei Karaganow: From East to West, or Greater Eurasia, Russia in Global Affairs am 25. Oktober 2016 (englisch)
  14. Sergey Karaganov: The new Cold War and the emerging Greater Eurasia, Journal of Eurasian Studies, Band 9, Nummer 2, 1. Juli 2018, ISSN 1879-3665, DOI 10.1016/j.euras.2018.07.002, Seiten 85-93
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Netzverweise