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Bandera-Kult

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Der Begriff Bandera-Kult bezeichnet den Personenkult[wp] um den ukrainischen Faschisten­führer Stepan Bandera[wp], der sowohl aus privater Initiative von ukrainischen (Ultra-)Nationalisten[1][2] und Neofaschisten als Idealisierung einer politischen Symbol- und Führer­figur als auch als durch den ukrainischen Staat formell und öffentlich organisierte National­helden­verehrung zelebriert wird. Bandera fungiert als zentraler Protagonist im vom Euromaidan-Regime aus einem legitimatorischen Grundmotiv konstruierten ukrainischen Nationalmythos.[3]

Hintergrund

In Europa wird behauptet, die Ukraine kämpfe für "westliche Werte“, aber wie lässt sich das damit vereinbaren, dass die wichtigsten Nationalhelden der Ukraine Nazi-Kriegsverbrecher sind? In Israel wird dieser ukrainische Kult um Bandera und andere ukrainische Nazi-Kollaboraturen immer wieder scharf kritisiert, aber deutsche Medien, die sonst so Israel-freundlich sind, übersehen das aus irgendeinem Grund.

In Kiew finden zu Neujahr jedes Jahr Fackelmärsche von Nazi-Sympathisanten statt, die damit Stepan Bandera[wp], den wichtigsten Nationalhelden der Ukraine, ehren, der an einem 1. Januar geboren wurde. In Israel wird das jedes Mal kritisiert, so schrieb die Jerusalem Post am 3. Januar 2022 beispielsweise:

Zitat: «Am Samstag versammelten sich in Kiew mehrere Tausend Menschen zum jährlichen Marsch zu Ehren des Geburtstags von Stepan Bandera, dem Anführer der Ukrainischen Aufständischen Armee[wp], die im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis kollaborierte und Tausende Juden und Polen ermordete. "Israel verurteilt den nationalistischen Bandera-Marsch“, twitterte die israelische Botschaft in der Ukraine. "Die Verherrlichung derer, die die Nazi-Ideologie unterstützten, verunglimpft das Andenken an die Opfer des Holocaust in der Ukraine."»[4]

Einige Tage später, am 13. Januar 2022, legte die Jerusalem Post nach und erklärte ihren Lesern, worum es dabei geht:

Zitat: «Stepan Bandera ermordete im Zweiten Weltkrieg als Nazi-Kollaborateur in Lwow 40.000 Menschen. Während die Sowjetunion Petljura[wp] und Bandera als Verräter verurteilte, ehrte die Orange Revolution[wp] alle drei als große ukrainische Patrioten. Petljuras Ermordung durch den jiddischen Dichter Scholom Schwartzbard[wp] und Banderas durch den KGB[wp] unterstreichen nur ihren Anspruch auf Märtyrertum für das Vaterland. In Kiew thront Chmielniki auf einem zentralen Platz stolz auf einem Pferd, das Schwert im Anschlag; eine Autobahn über den Dnjepr ehrt Bandera, und eine jährliche Kundgebung feiert seinen Geburtstag am wichtigen Neujahrstag. Zum 80. Jahrestag von Petljuras Ermordung veröffentlichte ein großer Kiewer Verlag eine zwölfbändige Ausgabe seiner Schriften. Seit 1993 findet an der Universität Kiew jährlich eine Lesung aus seinen Werken statt. Und dies sind nur einige der Höhepunkte des neuen Nationalismus.»[5]

Das musste ich zum Verständnis vorausschicken, damit das, was der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vor einigen Tagen im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung gesagt hat, besser verständlich wird. Am Ende des Interviews wurde er nämlich gefragt, ob es stimme, dass er Selensky untersagt habe, in Yad Veshem eine Rede zu halten. Seine Antwort war:

Zitat: «Das trifft zu. Als Russland in die Ukraine einmarschiert war, habe ich das scharf kritisiert. Der Sprecher des Kreml lud mich in den Donbass ein, um zu sehen, was die Ukraine dort ihrerseits anrichte. Aber ich blieb bei meiner Kritik. Dann wollte Selenskyj nach Yad Vashem kommen, hörte ich von dem Botschafter. Er wollte vor 300 Leuten sprechen, und es sollte weltweit übertragen werden. Ich habe das abgelehnt - nicht etwa, weil ich keine Sympathien für die Ukraine hätte. Aber ich hatte natürlich sofort verstanden, worauf er hinauswollte. Es bleibt dabei: Nicht jedes Kriegsverbrechen ist ein Genozid, und nicht jeder Genozid ist ein Holocaust. Außerdem wäre es denkbar gewesen, je nachdem, was der Präsident gesagt hätte, dass ich ihn hätte unterbrechen müssen. In der Ukraine gab es im Holocaust nicht nur Opfer. Die Ukrainer waren auch Mittäter, und in einigen Fällen Haupttäter, ganz in eigener Verantwortung. Es war deshalb richtig, Selenskyj abzusagen. Yad Vashem ist den Opfern des Holocausts gewidmet. Dabei muss es bleiben.»[6]

Zum Verständnis sei gesagt, dass Selensky seine Rede 2022 halten wollte, als er überall in der westlichen Welt in Parlamenten, bei Kulturveranstaltungen und so weiter Stimmung für die Unterstützung der Ukraine machen durfte. Seine Wortwahl und seine Bezeichnungen für Russland waren schon damals so radikal, dass der Chef der Holocaust-Gedenkstätte vollkommen zu Recht befürchten müsse, Selensky würde diesen Ort dazu missbrauchen, Russland mit Nazi-Deutschland und den Krieg in der Ukraine mit dem Holocaust gleichzusetzen, oder zumindest entsprechende Vergleiche anzustellen.

Das wäre für den Chef von Yad Vashem nicht nur deshalb ein Grund gewesen, Selenskys Rede zu unterbrechen, weil man sich in Israel generell jeden Vergleich mit dem Holocaust verbittet, sondern weil von Selensky gleichzeitig keinerlei Entschuldigung für die von den heutigen ukrainischen Nationalhelden begangenen Massenmorden an Juden zu erwarten gewesen wäre.

Yad Vashem soll das Gedenken an den Holocaust wachhalten, weshalb Yad Vashem sich aus politischen Themen heraushält, die vom Holocaust-Gedenken ablenken könnten. Ein offener Streit von Yad Vashem mit Selensky, oder offene Kritik von Yad Vashem an der Ukraine wären daher aus Sicht von Yad Vashem kontraproduktiv, weil das die Ukraine-Lobby im Westen zu Gegenreaktionen veranlassen und zu nicht gewollten öffentlichen Diskussionen führen könnte, bei denen weder Yad Vashem noch die Ukraine-Lobby etwas zu gewinnen hätte.

Dass Selensky seine Rede bei Yad Vashem missbraucht hätte und dass Selensky dabei vor allem keinerlei Reue für die Verbrechen der ukrainischen Nazis gezeigt hätte, ist nicht meine grundlose Hypothese, das bestätigt der derzeitige Streit zwischen Warschau und Kiew[7] über das ebenfalls von Bandera-Anhängern begangene Massaker von Wolhynien[wp], bei dem Bandera-Leute im Sommer 1943 etwa 100.000 Polen abgeschlachtet haben, die in der heutigen Westukraine lebten. Warschau hat diese Ereignisse als Völkermord eingestuft und seit 2016 ist der 11. Juli in Polen der Nationale Gedenktag für die Opfer des "Massakers von Wolhynien".

Polen verlangt von der Ukraine, das Massaker von Wolhynien endlich als Verbrechen und Völkermord anzuerkennen, aber Kiew weigert sich hartnäckig. Polen geht es dabei um die Exhumierung der Opfer und um eine offizielle Entschuldigung. Zu beidem ist die Ukraine nicht bereit, sondern fordert von Polen[8] stattdessen, die Bandera-Organisationen, die im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis kollaboriert und Massenmorde an Juden, Polen und anderen Volksgruppen begangen haben, nicht mit Nazis gleichzusetzen.

Wenn man all das weiß, dann muss man festhalten, dass der Chef der Gedenkstätte Yad Vashem dem heiklen Thema in dem Interview geschickt ausgewichen ist, denn für ihn wäre der Auftritt des Präsidenten eines Landes, das offen Täter des Holocaust als Nationalhelden verehrt und jede Reue verweigert, in seiner Gedenkstätte natürlich inakzeptabel gewesen. Um das nicht offen zu sagen, hat er sich daher auf die Aussage beschränkt, Ukrainer seien "auch Mittäter“ gewesen "und in einigen Fällen Haupttäter, ganz in eigener Verantwortung“.

Und der Journalist der Neuen Osnabrücker Zeitung war natürlich so freundlich, an dieser Stelle keine Nachfrage danach zu stellen, wie genau der Chef von Yad Vashem das gemeint haben könnte.

Das hätte nicht ins in Deutschland gewollte Bild von der “demokratischen” Ukraine gepasst und hätte ihn sogar seinen Job kosten können.

– Anti-Spiegel[9]

Einzelnachweise

  1. Martin Sander: Der Bandera-Kult: Die problematische Seite des ukrainischen Nationalismus, Deutschlandfunk Kultur am 13. April 2022
  2. Nationalismus in der Ukraine / Wahlen im Donbass / Erdgasstreit, Bundeszentrale für politische Bildung am 5. November 2014
    Anreißer: Die Analysen werfen in dieser Ausgabe einen Blick auf das Gedenken an den nationalistischen Anführer Stepan Bandera (1909-1959) seit der ukrainischen Unabhängigkeit. Zudem behandeln sie die Wahlen in der Ostukraine Anfang November 2014 sowie die Einigung im Erdgasstreit zwischen Ukraine und Russland, die bis März 2015 die Versorgung mit Erdgas sicherstellt.
  3. Pdf-icon-extern.svg Nationale Mythen der Ukraine - Eine qualitative Inhaltsanalyse anhand ausgewählter diskursiver Texte (Diplomarbeit)[ext] - Andreas Schiestl (Universität Graz), 2014 (106 Seiten)
  4. Lahav Harkov: Russia uses Israeli tweet against neo-Nazi march, Jerusalem Post am 3. Januar 2022
    Anreißer: Thousands gathered in Kyiv on Saturday for the march in honor of Stepan Bandera, head of the Ukrainian Insurgent Army, who collaborated with the Nazis.
  5. Jon Immanuel: How free is Ukraine of antisemitism?, Jerusalem Post am 13. Januar 2022
    Anreißer: Ukraine today boasts the lowest rate of antisemitic sentiment in eastern Europe and probably most of western Europe too.
  6. Yad-Vashem-Chef Dayan über Holocaust-Vergleiche und den Gang ins Land der Täter, Neue Osnabrücker Zeitung am 3. Januar 2026
    Anreißer: Dani Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem, im Interview über Schwierigkeiten der Erinnerungskultur, den Krieg in Gaza und Holocaust-Vergleiche.
  7. Thomas Röper: Polen vs. Ukraine: Was deutsche Medien über den Streit zwischen der Ukraine, Polen und Ungarn nicht berichten, Anti-Spiegel am 28. August 2025
    Anreißer: Die Ukraine beschießt seit einiger Zeit die Druschba-Pipeline in Russland, die russisches Öl nach Ungarn pumpt. Darüber ist zwischen Budapest und Kiew ein heftiger Streit ausgebrochen, in den sich auch Polen eingemischt hat. Allerdings verschweigen deutsche Medien dabei eine entscheidende Information.
  8. Thomas Röper: Kiew fordert Warschau auf, OUN und UPA nicht mit den Nazis gleichzusetzen, Anti-Spiegel am 2. Oktober 2025
    Anreißer: Ukrainischen Historikern zufolge mangelt es derzeit an objektiver Forschung zu den Umständen des Massakers von Wolhynien und solche Entscheidung in Polen würde "in der Ukraine negative Reaktionen hervorrufen".
  9. Thomas Röper: Keine Nazis? Israels Kritik am Bandera-Kult in der Ukraine, Anti-Spiegel am 8. Januar 2026
    Anreißer: Der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem[wp] hat einer deutschen Zeitung ein Interview gegeben, in dem er etwas Interessantes über die Nazi-Vergangenheit der Ukraine sagte. Deutsche Medien haben das jedoch nicht aufgegriffen.

Querverweise

Netzverweise