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Spanking
Spanking (vom englischen Verb to spank; deutsch: hauen, verhauen) ist der auch im deutschen Raum gängige Begriff für Schlagspiele, bei denen mit der Hand oder Nicht-Schlaginstrumenten wie Haarbürsten auf das bekleidete oder entblößte Gesäß geschlagen wird. Das Schlagen mit Schlaginstrumenten wie Peitschen oder Rohrstöcken wird nicht als nicht zum Spanking gehörend subsummiert.
Spanking wird gerne im Zusammenhang mit Ageplay-Spielen verwendet, bei denen der Bottom ein (unartiges) Kind spielt, das dann vom Top, der einen strengen Erzieher spielt, zur Strafe den Hintern versohlt bekommt.[1]
Herleitung und Abgrenzung
Im englischsprachigen Raum bezeichnet der Begriff spanking ursprünglich und weiterhin die in der Vergangenheit an Schulen (insbesondere in den USA) und im häuslichen Leben in der Kindererziehung regelmäßig praktizierte Form einer Körperstrafe. Er fungiert dabei umgangssprachlich oft als Oberbegriff für diverse auf dem Gesäß ausgeführte Bestrafungsarten wie Caning[pt], Paddling[pt], Switching, Flogging und andere Synonyme.
Davon abgeleitet wird von Spanking auch als einvernehmliche Sexualpraktik[wp] ("erotisches Spanking") gesprochen. Im deutschen Sprachraum wird unter Spanking nur Letzteres verstanden, während für die Züchtigung in der Kindererziehung die Bezeichnung "Prügelstrafe" und zahlreiche umgangssprachliche Begriffe wie "versohlen" in Gebrauch sind.
Der Begriff Spanking fand in den 1990er Jahren über das Usenet[wp] und das World Wide Web[wp] rasch Einzug in den Sprachgebrauch von deutschsprachigen Anhängern dieser Sexualpraktik. Auch das englische Verb to spank wird in der Umgangssprache der Subkultur gelegentlich eingedeutscht verwendet ("Ich möchte mal wieder gespankt werden.") sowie weitere Begriffe der Szene wie Spanko (Kurzform von Spankophiler oder Spanking-Fetischist), Spanker und Spankee.
Extremere Spielarten des Spankings werden in der BDSM-Subkultur auch als Flagellantismus bezeichnet.
Spanking und Sexualität
Unter erwachsenen Partnern hat spielerisches Spanking in intimen Situationen auch eine erotische, sexuelle Funktion. Je nach Absicht, Planung und Intensität dieser Tätigkeit (Petting[wp], Schläge im Rahmen des Koitus[wp], Erziehungsspiel) kann man hier von einem eher erotischen Spiel oder von einer BDSM-Spielart, insbesondere des Sadomasochismus, sprechen. Dennoch empfinden viele ihre Leidenschaft für Spanking als etwas Eigenständiges, das mit dem klassischen Sadomasochismus nur wenig gemeinsam hat.
Erotisches Spanking kann sehr unterschiedlich praktiziert werden. Die Palette reicht von zärtlichen Streichel-Klapsen über Erziehungsspiele bis hin zur schweren Züchtigung mit Fesselung (Bondage). Daneben ist beliebt das - auch gleichzeitige und gegenseitige - Kneifen ("Squeezing") in die Gesäßbacken des Partners, welches auch im exhibitionistischen Sinne, etwa bei einem Stadtrundgang, ausgeführt werden kann.
Egal, wie erotisches Spanking praktiziert wird, der Grundsatz der absoluten Sicherheit, Vernunft und Einvernehmlichkeit ("Safe, Sane, Consensual") bildet nach allgemeinem Konsens die entscheidende Basis für erotisches Spanking, da Schläge, wie alle Reize, nicht akzeptiert werden und nur Widerwillen auslösen, wenn
- die Absicht nicht deutlich ist, wenn etwa die Schläge (Klapse) "zufällig" erfolgen, weil sich jemand gerade gebückt hat, um etwas aufzuheben,
- sie von einer Person gegeben werden, von der man nicht erotisch berührt werden mag,
- sie in einer Weise erfolgen, die darauf hindeutet, dass der Spanker unbeherrscht ist und eher an sich denkt als an den Geschlagenen, den Spankee.
Einvernehmlichkeit kann dagegen immer dann als gegeben angenommen werden, wenn sich der Spankee selbstständig bückt (ohne Bondage). Das freiwillige "sportliche Bücken" (touch toes) garantiert dann das kontrollierte, sichere Schlagen des Spankers auf den sexuell relevanten Bereich des Hinterns. Schläge müssen vorbereitet werden, damit der (die) Spankee den erotischen Charakter und die sinnliche Freude des Spankers spürt. Auf der weichen Muskulatur im Bereich des Afters werden sie, auch wenn sie mit Kraft ausgeführt werden, nur als "angenehm ziehend" empfunden, nicht als wirklich "schmerzend, weh tuend", solange der Spankee sich wünscht, geschlagen zu werden. Intensive körperliche Reaktionen (Zucken und "Quieken") beweisen nicht unbedingt, dass es dem Spankee unangenehm ist - solange er seine Position freiwillig beibehält.
Zusätzlich kann die Verwendung eines Safeword vereinbart werden. Dieses gibt dem Spankee die Möglichkeit, "in der Rolle" vergeblich um ein Ende der "Züchtigung" zu betteln, bei echtem Bedarf aber das Spiel zu jedem Zeitpunkt kontrolliert abbrechen zu können.
Zu den bekannten Persönlichkeiten mit einer sexuellen Vorliebe für Spanking (möglicherweise auch einem Spanking-Fetisch) zählen der schweizerisch-französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau[wp] (1712-1778) und die britischen Schriftsteller Algernon Swinburne[wp] (1837-1909) und T. H. White[wp] (1906-1964), die deutsche Museumsgründerin Charlotte von Mahlsdorf[wp] (1928-2002) und der deutsch-französische Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt[wp] (* 1928) ausweislich seiner autobiographischen Werke.
Spanking und BDSM
Spanking nimmt ohne Zweifel im BDSM einen breiten Raum ein. Dennoch empfinden viele ihre Leidenschaft für Spanking als etwas Eigenständiges. Der Ausdruck beschreibt grundsätzlich sämtliche Handlungen des Schlagens auf den Po und im weitesten Sinne auf den Rücken oder die Oberschenkel. Das seltenere Klatschen auf Geschlechtsorgane gilt ebenfalls in der Regel als "Spanking".
Der Ausdruck selbst unterscheidet nicht zwischen den Instrumenten der Bestrafung, wofür des im Englischen viele Spezialbegriffe gibt. Schlagen mit leerer Hand gilt genauso als Spanking, wie die Strafe mittels Gürtel, Haarbürste, Peitsche, Rohrstock oder Reitgerte.
Spanking setzt in der Regel, dass der devote Part zugleich masochistisch ist - was nicht immer gegeben ist. Ohnehin obliegt es der Herrin oder dem Dominus, die Intensität des Spankings zu bestimmen. So kann es sich hierbei um ein dezentes, nicht allzu schmerzhaftes Ritual handeln, mit langen Monologen des Tops zwischen den einzelnen Schlägen. Auf der anderen Seite sind harte Spankings mit starker Spurenbildung nicht selten. Gerade der Rohrstock gilt hier als die Königsdisziplin und kann von wenigen Masochisten ertragen werden.
Spanking ist der hauptsächliche Bestandteil der "Englischen Erziehung", sodass es hier große inhaltliche Überschneidungen gibt.
Spanking ist häufig mehr als nur dumpfes "Draufhauen". Der Top oder die Herrin bestimmt die Körperhaltung des devoten Parts. Die Ausgangsposition kann ein simples Beugen über eine Stuhllehne oder Tischplatte sein, oder eine aufwändige Fixierung mittels Seil in einer Strappado-Position. Der Verlauf des Spankings kann stark ritualisiert sein und aus einem Frage- und Antwort-Spiel zwischen Top und Bottom bestehen. Häufig wird den Bottoms befohlen, laut die Schläge zu zählen, oder sich nach jedem Streich bei der Herrin zu bedanken. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Obwohl Spanking die populärste Komponente eines BDSM-Strafrituals ist, darf nicht vergessen werden, dass auch hier Verletzungen nicht ausgeschlossen sind. Während das Sitzfleisch extrem belastungsfähig und somit als Schlagfläche perfekt geeignet ist, gilt es bei Schlägen im Rückenbereich insbesondere den Nierenbereich zu meiden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Körper des Partners gehört zu den Pflichten des dominanten Parts.[2]
Spielerisches Spanking
Zum Beispiel ist in der US-amerikanischen Kultur der Brauch des birthday spanking weit verbreitet. Das "Geburtstagskind", welches ein Kind, aber auch ein Erwachsener sein kann, bekommt dabei an seinem Geburtstag[wp] so viele Klapse auf den Po, wie es Jahre alt wurde: "plus one to grow on" (plus einen, um weiterzuwachsen). Der genaue Ablauf des birthday spanking wird von Familie zu Familie unterschiedlich gehandhabt; häufig bekommt der Jubilar dabei von jedem Schulkameraden, Geschwister oder Gast sein birthday spanking, so dass daraus letztlich eine recht fühlbare Angelegenheit werden kann.
In Indien gibt es eine ähnliche Tradition namens birthday bumps. Hierbei wird das Geburtstagskind an seinen Hand- und Fußgelenken hochgehoben, und dann eine seinem Lebensalter entsprechende Anzahl Male mit dem Hintern (sanft) auf den Boden fallen gelassen.
Züchtigungsinstrumente
Die für Spanking verwendeten Gegenstände sind und waren von der Zeitepoche und der kulturellen Region abhängig.
- Bambusstock[wp] (vor allem in Japan[wp])
- Birkenrute[wp] (vor allem in Nordeuropa[wp], Mitteleuropa[wp] und Russland bis etwa ins 19. Jahrhundert)
- Gerten
- Gummischlauch
- Gürtel[wp], (Leder-)Riemen
- Haarbürste[wp]
- Hand[wp]
- Kabel[wp]
- Klopfpeitsche[wp] (vor allem in Deutschland[wp])
- Kochlöffel[wp] (aus Holz)
- Lineal[wp]
- Martinet[wp] (vor allem in Frankreich[wp])
- Paddle[pt] (vor allem in den USA[wp])
- Peitschen
- Pfannenwender[wp]
- Reitgerten[wp]
- Rohrstock[sm] (vor allem in Europa[wp], Südasien[wp] und Südostasien[wp])
- Tawse (vor allem in Großbritannien[wp] und Irland[wp])
- Teppichklopfer[wp]
Englischsprachige Synonyme
Im Englischen gibt es neben dem Wort spanking für die Körperstrafe auf das Gesäß auch etliche umgangssprachliche Synonyme und eine Reihe von spezifizierten Begriffen, die vom verwendeten Instrument abgeleitet sind:
| Instrument | Verb (aktiv) | Verb (passiv) | Substantiviertes Verb |
|---|---|---|---|
| paddle (Paddel) | to paddle | get paddled | paddling |
| cane (Rohrstock) | to cane | get caned | caning |
| birch (Birkenrute) | to birch | get birched | birching |
| belt (Gürtel) | to belt | get belted | belting |
| strap (Riemen) | to strap | get strapped | strapping |
| leather (Riemen, Tawse) | to leather | get leathered | leathering |
| switch (Gerte) | to switch | get switched | switching |
| whip (Peitsche) | to whip | get whipped | whipping |
| flogger (Klopfpeitsche) | to flog | get flogged | flogging |
Wird die flache Hand verwendet, spricht man auch von einem hand spanking. In Großbritannien ist hierfür der Ausdruck smacking üblich. Die Begriffe flogging und whipping werden umgangssprachlich auch synonym für spanking verwendet, ohne dass damit das Schlagen mit den entsprechenden Instrumenten gemeint sein muss.
Querverweise
Netzverweise
- Arzt und BDSMler klärt über Handhabung und Gefahren auf - Artikel aus dem BDSM-Magazin Macht-Spiele: Peitsche mich, wenn Du mich liebst
- The Spanking Art Wiki - Relaunch
- Spanking Art Wiki Blog - Ersatzseite bei Serverausfällen