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Dänemark

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Dänemark (amtliche Bezeichnung Königreich Dänemark, dänisch: Danmark) ist ein Staat in Nordeuropa und ein Klientelstaat des Imperiums USA. Das Land ist Mitglied der EU und NATO. Dänemark verfügt mit Grönland über ein de-facto Protektorat.

Beteiligung an der Besatzung Deutschlands

Fast vergessen: Dänemarks Militär war nach dem Krieg jahrelang in Deutschland im Einsatz

Sie kamen aus den USA, aus dem Vereinigten Königreich, aus Kanada - aber auch aus Norwegen und Dänemark: In Nordwestdeutschland wurde unter den Besatzungs­soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg auch Dänisch gesprochen. Wilfried Lagler über ein wenig bekanntes Detail der neueren Geschichte.

Heute ist es kaum noch allgemein bekannt, dass sich Dänemark und Norwegen während der Zeit der britischen Besatzungszone in Norddeutschland und der frühen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit erheblichen Militär­kontingenten an Aufgaben im Zusammenhang mit dem Besatzungsregime beteiligt haben.

Dieser Einsatz ist umso bemerkenswerter, als beide Staaten gerade zuvor von 1940 bis 1945 unter der Besatzung durch das "Dritte Reich" zu leiden hatten.

Die Zahl der Zeitzeugen ist mittlerweile immer mehr zurückgegangen. Und lange Zeit gab es kaum leicht greifbare Literatur zu diesem besonderen Thema der unmittelbaren Nachkriegszeit. Erst in den 1990er-Jahren hat der norwegische Historiker Dirk Levsen (Vinstra) durch einige Aufsätze in deutscher Sprache Licht in dieses Dunkel gebracht - abgesehen davon, dass es schon früher einige zeitgenössische Veröffentlichungen von unmittelbar Beteiligten in dänischer und norwegischer Sprache gab. Sie wurden durch zwei Bücher zum Gedenken an den 50. Jahrestag des militärischen Einsatzes Dänemarks und Norwegens im Jahre 1997 ergänzt.

Einsatz in Deutschland war nach Kriegsende innenpolitisch umstritten

Was Dänemark betrifft, so hatte der damalige sozialdemokratische Staatsminister Vilhelm Buhl[wp] (1881 bis 1954) schon am 2. Oktober 1945 angedeutet, dass sich eine dänische Division an der Besetzung Deutschlands beteiligen könne. Nicht zuletzt sollte damit wohl auch zum Ausdruck gebracht werden, dass Dänemark gewissermaßen wie ein alliierter Staat betrachtet werden sollte. Hinzu kam, dass die britische Regierung in London Hilfe beim militärischen Wiederaufbau Dänemarks angeboten hatte.

Eine solche Hilfe war auch dringend nötig, war der dänische Staat nach dem Ende der deutschen Besatzungszeit von erheblichen wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Problemen beim Wiederaufbau geprägt. Hinzu kam noch der große dänische Einsatz bei der Versorgung von insgesamt etwa 245.000 deutschen Flüchtlingen, die in Dänemark bis 1949 zu versorgen waren. Daher war ein dänischer Militäreinsatz in Deutschland innenpolitisch auch nicht unumstritten.

Lieber nicht nach Schleswig-Holstein: Dänische Soldaten nach Ostfriesland

Es dauerte jedoch noch bis Juni 1947, bis eine dänische Brigade nach Deutschland entsandt werden konnte. Wegen der aufgeheizten Stimmung wegen der deutsch-dänischen Minderheiten im Grenzland Schleswig kam die Stationierung der dänischen Soldaten in Schleswig-Holstein zunächst nicht in Frage. Daher wurden andere Orte für die Stationierung gewählt, nämlich in und um Ostfriesland: Jever, Oldenburg, Emden, Aurich, Varel und Wilhelmshaven.

Norwegen stationierte ab Februar 1947 ein Kontingent von etwa 4.000 Soldaten zunächst an verschiedenen Orten in Niedersachsen und zwar im Harz. Nachdem die Ost-West-Spannungen zugenommen hatten, zog Norwegen dieses Militärkontingent im Sommer/Herbst 1948 nach Schleswig-Holstein zurück und stationierte die Soldaten in Flensburg, Husum, Itzehoe und Kiel-Holtenau.

Die Dänische Brigade in Deutschland war Teil der britischen Besatzungstruppe in Norddeutschland, die im Sommer 1947 im nordwestlichen Niedersachsen stationiert war. 1949 wurde die Truppe nach Itzehoe in Schleswig-Holstein verlegt und von rund 4.000 Mann auf 1.400 Mann reduziert. Mit dem Umzug nach Itzehoe änderte die Brigade ihren Namen in "Das dänische Kommando in Deutschland". Das Kommando wurde 1958 abgezogen, nachdem etwa 45.000 dänische Soldaten unter ihm gedient hatten.

1949: Dänisches Deutschland-Kontingent zieht nach Itzehoe

Der Sitz des Militärkommandos befand sich in Neumünster bzw. Rendsburg. Im Zusammenhang mit dem Rückzug der norwegischen Soldaten nach Schleswig-Holstein verlegte Dänemark sein Kontingent in reduzierter Zahl 1949 ebenfalls dorthin und stationierte seine Soldaten in der holsteinischen Stadt Itzehoe im dortigen Kasernenbereich am "Langen Peter". In Itzehoe waren allerdings schon lange Zeit vorher - bis 1863 - dänische Soldaten im Einsatz, wie in einer 1952 erschienenen Veröffentlichung von Ole Brusendorf zu lesen ist ("Soldater i Itzehoe gennem 1000 aar. Udgivet af Det danske kommando i Tyskland").

Dieser frühe dänische und norwegische Militäreinsatz stand damals bereits im Vorfeld der Beteiligung beider Staaten an der 1949 gegründeten NATO. Er deutete lange Zeit einer Politik der Neutralität[wp] und des Pazifismus[wp] zugunsten einer stärkeren westeuropäisch-atlantischen Orientierung an, zumal es nicht zu einer zunächst geplanten Verteidigungsunion der skandinavischen Staaten kam.

Ausflüge in die Umgebung

Das Verhältnis der dänischen und norwegischen Soldaten zur Bevölkerung in Niedersachsen und Schleswig-Holstein war überwiegend freundlich, jedenfalls sind Konflikte oder Zusammenstöße nicht bekannt. In ihren Stationierungsorten bestimmten die dänischen und norwegischen Soldaten für einige Jahre das lokale Alltagsleben mit.

Soweit mir bekannt ist, wurde etwa den dänischen Soldaten neben ihren militärischen Aufgaben auch Gelegenheit gegeben, auf Ausflügen Land und Leute etwas näher kennenzulernen. Der Theologe und spätere Dozent für Kirchengeschichte an der Universität in Kopenhagen, Jørgen Pedersen (1919 bis 1997), der als dänischer Offizier in Itzehoe Dienst tat, veröffentlichte 1950 sogar einen kleinen Reiseführer für seine Kameraden ("Paa Rundtour i Holsten og det sydligste Slesvig. Udgivet af Det Danske Kommando i Tyskland", Itzehoe: Christiansen).

Im Gespräch mit mir erzählte er gern von seinen Erlebnissen in Itzehoe und Umgebung. So konnte er sich beispielsweise auch später noch köstlich darüber amüsieren, dass an der Tür von Schloss Breitenburg in Itzehoe, in dem eine Zeit lang auch Flüchtlinge untergebracht werden mussten, ein Schriftzug zu lesen war: "Graf Rantzau, bitte dreimal klingeln".



Der Verfasser hat 1981 in Kiel über die Minderheiten­politik der schleswig-holsteinischen Landesregierung promoviert und war bis 2019 an der Universitäts­bibliothek Tübingen tätig.

– Wilfried Lagler[1]

Einzelnachweise